Total from Joy Division to New Order – Album Review

Total from Joy Division to New Order – Album Review

Die Hits von Joy Divison und New Order

von Gérard Otremba

“Best Of”-Compilations sind immer eine zwiespältige Angelegenheit. Die Fans besitzen natürlich schon sämtliche Alben der betroffenen Bands und benötigen somit eigentlich keine weitere Zusammenstellung ihrer Lieblingsmusik. Und wenn doch, vermissen sie letztendlich ihre geheimen Lieblingssongs. Selbstverständlich erscheint keine Best-Of-CD mehr ohne mindestens einen bisher unveröffentlichten Song. Dieser Kaufanreiz für alte Fans muss schon gegeben sein. Und als Einstieg für mögliche neue Anhänger ist natürlich eine Best-Of-Sammlung geradezu prädestiniert.

Best-Of-CD mit fünf Songs von Joy Division und 13 Titeln von New Order

Und genau so verhält es sich mit der soeben veröffentlichten Best-Of von New Order und Joy Division. In diesem Fall mussten die Verantwortlichen das Opus gleich zweier Bands auf die knapp 80 zur Verfügung stehenden Minuten komprimieren. Sicher, die Schaffensphase von New Order reichte mithin an die 30 Jahre, während die Ära von Joy Division nach zwei Alben auch schon wieder beendet war. Insofern eine logische Konsequenz, New Order mit 13 Titeln und Joy Division mit fünf Tracks auf dieser Best-Of zu verewigen. Doch kommt man kaum umhin zu konstatieren, dass Joy Division die interessanteren und dringlicheren Songs abgeliefert haben.

Dunkler New Wave-Sound von Love Will Tear Us Apart bis Atmosphere

Natürlich lebten Joy Division von der Präsenz des charismatischen, aber melancholischen bis depressiven Sängers Ian Curtis. Dessen tragende, sonore Bass-Stimme paßte perfekt zu dem dunklen New-Wave-Sound, den Bernard Sumner an Keyboard und Gitarre, Peter Hook am Bass und Stephen Morris am Schlagzeug erzeugten. Der große finanzielle Durchbruch blieb Joy Division verwehrt. Erst mit der Single-Veröffentlichung von „Love Will Tear Us Apart“ und dem fast gleichzeitigen Selbstmord von Ian Curtis im Jahre 1980, gelang der Sprung von der aufstrebenden Nachwuchshoffnung zu überregionalen Größe. Dass ausgerechnet der Schmusepopper Paul Young drei Jahre später mit „Love Will Tear Us Apart“ einen Welthit landete, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Neben „Love…“, dem bekanntesten Vermächtnis von Joy Division, sind noch „Transmission“, „Isolation“, „She’s Lost Control“ und das fabelhafte „Atmosphere“ vertreten. Letzteres als pure romantische Schönheit, man will gar nicht wissen, wie oft Nick Cave hier zugehört hat.

New Order und ihr Meilenstein „Blue Monday“

Zusammen mit Keyboarderin Gillian Gilbert firmierte sich der Rest von Joy Division unter dem Bandnamen New Order neu. „Ceremony“, noch aus Joy Division-Zeiten resultierend, und vergleichsweise mit ordentlich Gitarren-Drive versehen, bildet eine gelungene New-Wave-Blaupause, bevor New Order dann 1982 mit „Temptation“ endgültig im Elektro-Pop angekommen waren. Die knapp 7:30 Minuten lange Maxi-Single „Blue Monday“ stellte 1983 alles andere restlos in den Schatten und begeisterte sogar eingefleischte Rock’n’Roll-Herzen. Ein innovativer Überhit, der New Order nicht noch einmal gelingen sollte. Songs wie „Thieves Like Us“ oder „The Perfect Kiss“ klingen schon fast anämisch und anbiedernd. „Bizarre Love Triangle“ verkommt dann im billigsten 80er Mainstream-Synthie-Pop-Kitsch. Mit der Melancholie von „True Faith“ erreichten New Order immerhin nochmals einen halbwegs genuinen Moment, während „Fine Time“ an Beliebigkeit kaum zu überbieten ist. Auch „World In Motion“ hätte nicht unbedingt sein müssen.

Das formidable New Order-Comeback mit „Crystal“

Ein definitiver Lichtblick folgte dann 1993 mit „Regret“, bei dem sogar Prefab Sprout-Anleihen anklingen. Das grandiose Comeback 2001 mit „Crystal“ hätte man New Order kaum mehr zugetraut. Ein klassischer gitarrenlastiger Rock-Pop-Disco-Hit, der beste Song seit „Blue Monday“. Der Track „Krafty“ von 2005 ist keine musikalische Großtat, aber eine passabler Pop-Song. Der bis dato unveröffentlichte Song „Hellbent“ erfindet das New Order-Rad nicht neu, bildet jedoch einen runden CD-Ausklang. Und so ist das mit New Order: Einigen richtig fetten Brechern folgte leider auch immer viel Mittelmaß. Man hört weiter die Brecher-Songs und ergibt sich der Eleganz von Joy Division.

Total from Joy Division to New Order“ ist am 10.6.2011 bei Rhino/Warner Music erschienen.

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.