Torgeir Waldemar: No Offending Borders – Album Review

Torgeir Waldemar: No Offending Borders – Album Review

Ehrlicher Südstaaten-Rock made in Norwegen von Torgeir Waldemar

Norwegen ist kein Land, in das der gemeine Pauschaltourist fährt, um sich den Bauch zu bräunen. Das Land besticht, wie die meisten skandinavischen Länder, durch bombastische Landschaften, weite Skigebiete und hohe Wasserfälle. Norwegens Klima ist eher kalt und zugig, bekannt wurde das unwirkliche Land in der Vergangenheit vor allem durch Maler wie Edward Munch, oder mit Bands wie Motorpsycho und einer florierenden Jazzlandschaft. Norwegen aber ist auch Südstaatenrock in Form von Torgeir Waldemar. Bärtig, kantiges Gesicht, rauchend mit langen Haaren und eindringlicher Stimme könnte der Norweger auch zur Besetzung von Game Of Thrones zählen.

Der Musiker bedient zwar vom Äußeren das Stereotyp des harten Wikingers,  seine Musik hingegen zeigt, dass in dem Skandinavier ein Herz schlägt, das im Süden der USA geboren ist. In seinem Heimatland fällt 2014 Torgeir Waldemars selbstbetiteltes Debütalbum durch diese Gegensätze derart aus dem Rahmen, dass Waldemar dort seitdem ein Alleinstellungsmerkmal innehat und als der beste Newcomer der letzten Jahre gefeiert wird. Wo man seinen Stil verorten kann, zeigt dann spätestens auch die Einladung zum bekannten SXSW-Festival 2016 ins texanischen Austin, auf dem das bärtige Unikat bereits einige Songs seines zweiten, nun erscheinenden Albums  “No Offending Borders” performte. Die Platte steht ihrem Vorgänger qualitativ in nichts nach. „Das Album ist eines der besten norwegischen Alben der letzten Jahre“, titelt im Januar der iTromsø, meistgelesene norwegische Tageszeitung.

Und das zurecht, denn das Niveau der Platte überzeugt durch handgemachten, soliden, an den 70er-Jahre angelehnten Southern-Rock, eindringlich und mit viel Herzblut vorgetragen. Torgeir Waldemar Songs bewegen sich mit Elementen des Folk- und Western-Rock zwischen Bands wie ZZ Top oder den Outlaws. Auch inhaltlich ist “No Offending Borders”, wie der Titel schon selbst suggeriert, nicht als Kneipenschlägerei-Barsound abzutun. Ehrlich und authentisch beschäftigt sich der Sänger nämlich in seinen Lyrics sowohl mit aktuellen politischen Themen, wie z.B. der Flüchtlingskrise, aber auch mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Abgründen aller Art, ohne dabei die moralische Keule zu schwingen. Das Album zeigt dann im Umkehrschluss auch, dass es gut funktionieren kann, wenn zwei Herzen in einer Brust schlagen. Denn eben das macht die Qualität der Scheibe aus und “No Offending Borders” zu einem Werk von höchster Güte, das seines Gleichen sucht.

“No Offending Borders” von Torgeir Waldemar ist am 24.03.2017 auf Jansen Plateproduksjon / Broken Silence erschienen.

Torgeir Waldemar: "Summer in Toulouse" @ Big Dipper

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