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26. September 2025Nach 40 Jahren veröffentlicht Tom Liwa sein erstes Best-Of-Album. Es ist eine beeindruckende Werkschau.
von Sebastian Meißner
Seit 40 Jahren veröffentlicht Tom Liwa Musik. Und das auf mittlerweile mehr als 30 Alben. Mal mit den Flowerpornoes, mal mit Sundown, mit Mikrosaivo, der Leuchtturmband oder solo. Immer ist es tiefgründige, intensive und eigenwillige Musik, die sich bei aller Klugheit vor allem nachhaltig ins Herz bohrt. In ihr erzählt er in seiner ganz eigenen Sprache von den Seltsamkeiten der Außenwelt und ihrer Spiegelung im Inneren. Seine Eigenwilligkeit hat ihm nicht nur leichte Zeiten beschert. Denn lange Zeit wurde seine Musik nur von einem unverständlich kleinen Kreis wahrgenommen. Zwischendurch musste man gar befürchten, dass Liwa das Songschreiben an den Nagel hängt. Doch das tat er nicht. Heute ist sich eine immer größer werdende Hörerschaft einig: Liwa gehört zu den ganz großen Songschreiber dieses Landes.
30 Alben in 40 Jahren
Jetzt veröffentlicht der gebürtige Duisburger beim Hamburger Misitunes-Label mit „20 Power Hits“ die erste Best Of seiner Karriere. Genau genommen 21 Songs aus allen Phasen seiner Karriere hat er dafür zusammengestellt. Der Auswahlprozess folgte dabei einer klaren Systematik: „Ein Kriterium war für mich, dass die Songs eine Reichweitenerweiterung erzielt haben. Also z. B. weil wir auf einem wichtigen Musikmagazin-Sampler drauf waren, weil sie auf einem Soundtrack oder so verwendet wurden oder bei einem emsigen Plattenlabel wie Grand Hotel Van Cleef erschienen sind, die mehr Werbung und Videos gemacht haben. Das zweite Kriterium ist das des Publikumslieblings. Also Stücke, die immer wieder gefordert wurden.“ Ein drittes Kriterium sei die Mike-Krollmann-Kategorie gewesen. So heißt ein Jugendfreund von Tom Liwa, von dem er gelernt hat, intuitiv zu verstehen, was ein Hit ist.
Tom Liwa ohne Chronologie
Und so hören wir eine Werkschau, die Tom Liwa bewusst nicht chronologisch, sondern thematisch sortiert hat. Auf „Ich mag Kopfschmerzen“ aus dem Album „Morgenstimmung“ von 2021 etwa folgt „Zen Rebel“ vom selbstbetitelten Flowerpornoes-Album von 1988. Was ganz hervorragend funktioniert und die Stücke teilweise in neues Licht stellt. Im Konzentrat wird die hohe Qualität der Liwa-Songs noch einmal besonders deutlich. „Eh egal“ von „Come Jupiter“ altert ebensowenig wie „Lieber als hier“ vom Album „Red‘ Nicht Von Straßen, Nicht Von Zügen“. „Dein Wille geschehe“ vom Goldrausch-Album (2012) ist auch beim x-ten Durchlauf tief bewegend. „I’m Not Deep“ mit Sundown herrlich verträumt. Und „Federkleid“ vom 2015er „Umsonst und draußen“ ist ohnehin im Regal der besten deutschsprachigen Songs überhaupt. Mit „Die i Threes singen“ gibt es sogar einen bisher unveröffentlichten Track.
Natürlich fehlen auf „20 Power Hits“ zahlreiche Hochkaräter. Liwa hat einfach zu viele gute Songs in petto für nur vier Vinyl-Seiten. So hätte zum Beispiel „Verlorenes Wochenende“ es ebenso verdient gehabt wie „Himmel über dir“ oder andere. „20 Power Hits“ ist dennoch eine lückenlos großartige Songsammlung eines lange Zeit sträflich Verkannten.
„20 Power Hits“ von Tom Liwa erscheint am 26.09.2025 bei Misitunes. (Beitragsbild von David Sedlacek)





