Tocotronic: Nie wieder Krieg – Albumreview

Tocotronic: Nie wieder Krieg – Albumreview

Majestätische, zärtliche, strahlende und treibende Indie-Pop-Rock-Songs auf “Nie wieder Krieg” von Tocotronic

Vier Jahre nach ihrem ebenfalls von uns rezensierten Album „Die Unendlichkeit“ melden sich Tocotronic zurück. „Nie wieder Krieg“ ist die nunmehr 13. Platte in der fast 30-jährigen Karriere der in Hamburg gegründeten Indie-Rock-Band. Acht ihrer Alben erreichten die deutschen Top-Ten, zwei – „Schall & Wahn (2010) und „Die Unendlichkeit“ (2018) – schafften es sogar bis an die Spitze der Charts. Längst sind Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller, Schlagzeuger Arne Zank sowie Gitarrist und Keyboarder Rick McPhail eine verlässliche Größe im deutschsprachigen Musikbusiness. Und diese Verlässlichkeit spielt das Quartett auch auf „Nie wieder Krieg“ aus.

Wie zuletzt 1995

Tocotronic Nie wieder Krieg Cover Vertigo Universal Music

Die zwölf Songs sind alle vor der Pandemie entstanden und ursprünglich sollte das Album bereits vor einem Jahr erscheinen. Und obwohl Dirk von Lowtzow in seinen Texten, wie er in einer Interview mit Sounds & Books erklärte, „Geschichten von Menschen, die an einem Kipppunkt ihrer Existenz stehen, oder die seelisch zerrissen oder die von einer Unrast getrieben sind“, erzählt, passen allein die zwischen negativ und positiv wechselnden Songtitel nicht minder gut in diese Pandemiezeit. Vier der Songs („Nachtflug“, „Ich hasse es hier“ „Komm mit in meine freie Welt“ und „Leicht lädiert“) haben Tocotronic live mit Gesang aufgenommen, eine Vorgehensweise, die von der Band zuletzt 1995 in dieser reinen Form ausgeübt wurde.

Wie zu ihren damaligen Grunge-Punk-Rock-Zeiten klingen die „Tocos“ allerdings nur noch punktuell und legen auch bei „Nie wieder Krieg“ mehr Wert auf Ästhetik als auf Brachialität. Mit dem würdevollen, ja majestätischen Titeltrack beginnt das Album. Pianogetragen und von Dirk von Lowtzows ernstem Gesang geprägt, dazu noch Glockenklänge, eine die Welt umarmende, mit melancholischen Tönen versehene Ballade. Die geht schon schwer unter die Haut, doch berührt das filigrane, als Duett mit Anja Plaschg, alias Soap&Skin, eingesungene „Ich tauche auf“ noch mehr. Sicherlich einer der schönsten Tocotronic-Songs überhaupt.

Tocotronic schenken uns Hoffnung uns Liebe

Bei den ersten drei Songs der Platte findet die Band übrigens ihren Hang zu Slogans wieder („Nie wieder Krieg“, „Komm mit in meine frei Welt“, „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“). In „Komm mit in meine freie Welt“ frönen sie einem krachenden und ausgelassenen Gitarrengeschrammel, während der bereits kurz vor der Bundestagswahl veröffentlichten Single „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“ nicht nur der Slogan, sondern auch die Hymnenhaftigkeit älterer Songs wie „Let There Be Rock“ eigen ist. Aber Tocotronic sind auch sehr lässig wie in „Ich gehe unter“ oder „Ich hasse es hier“ und melodietrunken wie im beschwingten Indie-Pop von „Crash“. Und das steht ihnen nicht minder gut. Am Ende schenken sie uns „Hoffnung“ und „Liebe“, und das ist doch sehr viel wert. Genauso viel wie ihre gute Musik.

„Nie wieder Krieg“ von Tocotronic erscheint am 28.01.2022 bei Vertigo / Universal Music. (Beitragsbild von Gloria Endres de Oliveira)

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