Tiny Ruins live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Tiny Ruins live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Feingeistiger Indie-Folk aus Neuseeland von Tiny Ruins

Die Fans, die am 09.09.2018 den Weg in die Nochtwache des Nochtspeichers zum Tiny Ruins-Konzert finden, sorgen für ein gemütliches Ambiente und sind hellauf begeistert. Begeistert von Sängerin und Gitarristin Hollie Fullbrook, die Tiny Ruins im neuseeländischen Auckland einst als Soloprojekt startete, aber nun mit ihrer Band durch Deutschland und Europa auf Tour ist. Zu der gehören Bassistin Cass Basil, Schlagzeuger Alexander Freer sowie Gitarrist Tom Healy, der zum ersten Mal mit Tiny Ruins tourt, aber schon länger zum Bandumfeld gehört, war er doch bereits auf dem letzten, ganz hervorragenden Album Brighlty Painted One zu hören, das er auch produzierte.

Vorboten des neuen Tiny Ruins-Albums

Produziert hat Tom Healy auch die neue Platte, die aber noch nicht fertiggestellt ist und zu Beginn des Jahres 2019 erscheinen soll. Neue Songs hat die Indie-Folk-Formation natürlich trotzdem mitgebracht und so befindet sich auf der Setlist des Konzertes in Hamburg auch der aktuelle, bei Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellte Albumvorbote „How Much“, der den Indie-Folk mit dem Dream-Pop verbindet und bei dem man so schön abdriften und abheben kann. Ähnliches gilt für das zum ersten Mal in Deutschland aufgeführte „Holograms“, ein spaciger Indie-Dream-Pop-Song mit harmonischen „Ahah“-Backing Vocals, in dem Hollie Fullbrook über eine skurrile Darth Vader-Begegnung berichtet.

Poetische Atmosphäre in der Nochtwache

Ihre wärmende, verträumt-melancholische Stimme trägt die Tiny Ruins-Songs und füllt die Nochtwache für 75 Minuten mit zahlreichen berührenden Momenten. Das dezente und filigrane Spiel der Band trägt zur poetischen Atmosphäre der Songs bei, und obwohl des Lautmalerische nicht die Sache von Tiny Ruins ist, gibt es einzelne Passagen, die aus der Intimität herausbrechen und Eleganz mit Artifiziellem paaren („Hurtling Through“), oder jamartige Exkurse bieten, bei denen Tom Healeys Gitarre fast schon wie bei Santana klingt („Olympic Girls“). Das Schwermütige und Feingeistige in der Musik von Tiny Ruins indes überwiegt natürlich an diesem Abend in der Nochtwache, „Me At The Museum, You In The Wintergardens“, „Chainmail Maker“, „Dream Wave“ und „She’ll Be Coming Around“ sind betörende Songs, die an Laura Marling und Joni Mitchell denken lassen.

Ein sehnsüchtiger “Lalala”-Chor zum Konzertabschluss

Als letzte Zugabe bieten Tiny Ruins eine bewegende und strahlende Version von „Old As The Hills“, dem Opener des Debütalbums Some Where Meant For The Sea aus dem Jahre 2011. Kann ein Tiny Ruins-Konzert schöner enden, als mit einem sehnsüchtigen „Lalala“-Chor? Sie hat bereits vor ein paar Jahren in der Hansestadt gespielt, und doch fühle sich der Abend in der Nochtwache wie ein erster Auftritt in Hamburg an, ist Hollie Fullbrook vom Zuspruch der Besucher angetan. Wir können das Kompliment nur zurückgeben und freuen uns auf eine hoffentlich baldige Tour nach der Veröffentlichung des neuen Albums.

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