Tindersticks live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Tindersticks live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Ein herrliches und ergreifendes Tindersticks-Konzert zum 30-jährigen Bandbestehen in der Hamburger Laeiszhalle

Tindersticks sind die Könige des Kammer-Pop und feiern ihr 30-jähriges Bandbestehen in voller Pracht. Die 1992 in Nottingham gegründete Band hat für ihre Jubiläums-Tour ein Streichorchester eingeladen und verwandelt die ehrwürdige Hamburger Laeiszhalle am 09.05.2022 für zwei Stunden in einen wundersamen Ort. Die Formation um Sänger Stuart Staples zelebriert ihre düsteren und teils dramatischen Songs anmutig und hingebungsvoll. Zunächst noch ohne das große Besteck beginnen Tindersticks das Konzert auf ruhigste Art mit dem kaum wahrnehmbaren, sehr andächtigen „Willow“. Überbordende Melancholie und der Hang zur Schwermut prägen bedingtermaßen die Atmosphäre des Auftritts, die nur im Mariachi-Texas-Sound von „Her“ mit der von Terry Edwards gespielten Trompete und einem galoppierenden Rhythmus unterbrochen wird.

Die Schönheit der Tindersticks-Songs

Die leider nicht ausverkaufte Laeiszhalle entpuppt sich als ideales Ambiente für die Tindersticks, die in ihrer Setlist-Auswahl auf den Großteil ihrer zwölf Studioalben zurückgreifen. Alle, die sich dem Wahren, Guten und Schönen in der Popmusik verschrieben haben, werden wahrlich mannigfaltig belohnt. Belohnt mit der erhaben-majestätischen Schönheit von „Another Night In“, belohnt mit der romantischen Schönheit von „Pinky In The Daylight“, belohnt mit der sehnsüchtigen Schönheit von „Travelling Light“, das Staples, genau wie „Sometimes It Hurts“, im Duett mit Soulsängerin Gina Forster singt. „Her“, Another Night In“ sowie „City Sickness“ hintereinander gehört sicherlich zu den berauschendsten Momenten des Konzerts und bildet zweifellos einen Höhepunkt einer jeden Tindersticks-Setlist. Sicherlich drei für eine Best-Of-Top-Ten-Liste dieser Band in Frage kommende Stücke.

Zahlreiche Konzert-Highlights

Man ist gebannt, ergriffen und fasziniert von der filigranen Darbietung und ein Gänsehautmoment jagt den nächsten. Man kann die zahlreichen Highlights nicht alle nennen, doch zählen das hochemotionale „My Sister“, das zarte „My Oblivion“ sowie der ewige Klassiker „Tiny Tears“ an diesem Abend sicherlich dazu. Wie gewohnt hält sich Stuart Staples mit Ansagen merklich zurück. Immer mal wieder ein „Thank you“ sowie ein kurze Ansprache kurz vor Schluss, sonst gilt die Konzentration seinem traurigen, immer leicht belegt klingenden Gesang. Die Idee mit dem Streichorchester kommt gut an. Das Hamburger Publikum beweist ein gutes Gespür für das feinsinnige Zusammenspiel zwischen Band und Orchester und belohnt es mehrfach mit starkem Applaus.

Und als das Saallicht schon angegangen ist und einige bereits den Heimweg antreten, mögen die stehenden Ovationen allerdings nicht verebben und tatsächlich kehren die Tindersticks für eine letzte und passende Zugabe („Take Care In Your Dreams“)  auf die Bühne zurück. „Tausend Tränen tief“ hieß es einst bei Blumfeld, und in einem ganz ähnlichen emotionalen Zustand (und doch mit einem Lächeln im Gesicht) verlässt man nach diesem großartigen Tindersticks-Auftritt die Laeiszhalle in eine lauschige Hamburger Frühlingsnacht.

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