The Weather Station live in Hamburg 2022

The Weather Station live in Hamburg 2022

Mit einigen der schönsten Songs des letzten Jahres verzaubern The Weather Station die Hamburger Fans während des Konzerts in der Nochtwache

Mit „Ignorance“ hat Tamara Lindeman eines der schönsten Alben des Jahres 2021 veröffentlicht. Nicht nur in meiner Liste der Top-Alben hat es die kanadische Songwriterin mit ihrem Projekt The Weather Station unter die ersten zehn geschafft, auch die Kollegen des Rolling Stone hievten den Longplayer in die Top-Ten (Platz 5) bei ihrer Endjahresauswahl. Ein vollkommen gerechtfertigter Ruhm, schließlich fand Tamara Lindeman eine ausgeklügelte Schnittmenge zwischen Talk Talk, Fleetwood Mac und Weyes Blood. Geschult am Seventies-Songwriter-Pop drifteten ihre Kompositionen sanft in Richtung Jazz und Avant. Allerdings mit genügend Indie-Pop-Charme, um in keine allzu experimentellen Gefilde abzutauchen. Obwohl The Weather Station vor wenigen Wochen noch das Album “How Is It That I Should Look At The Stars” herausbrachte, stehen die „Ignorance“-Titel im Mittelpunkt des Konzerts am 04.04.2022 in der Hamburger Nochtwache.

Die kunstvoll arrangierte Songwriter-Indie-Pop-Welt von The Weather Station

Im Kellerclub des Nochtspeichers eröffnet zunächst Aoife Nessa Frances den Abend. Die irische Songwriterin spielt die sphärische-schwebenden Songs ihres Vorprogramms mit Gitarre und Mini-Keyboard samt hypnotischer Wirkung. Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause betreten Tamara Lindeman und ihre fünfköpfige Band (Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard, Saxophon/Klarinette) die kleine Bühne des Clubs in der Bernhard-Nocht-Straße auf St. Pauli. Aus einem Kniefall Lindemans hebt sich das poetische „Wear“ hervor und entführt die Besucher in der kuschelig vollen Nochtwache in die kunstvoll arrangierte Songwriter-Indie-Pop-Welt von The Weather Station. Lindeman konzentriert sich auf ihren sanften, zwischen Joni Mitchell und Natalie Mering (Weyes Blood) changierenden Gesang und bedient nur selten Gitarre oder Keyboard.

Die Hits in der zweiten Konzert-Hälfte

Während über uns im Nochtspeicher der geehrte Blaudzun „Stadionrock vor 50 Leuten“ spielt, wie man später vom geschätzten Kollegen André Itjes erfährt, kommen die Feingeister eine Etage tiefer auf ihre kosten. Mit „You And I (On The Other Side Of The World)“ taucht  die Band in ihre Laurel-Canyon-Vergangenheit und die technischen Probleme bei „Way It Is, Way It Could Be“ quittieren Lindemann und Co. mit Humor. Den schlagzeuglosen Balladen „Stars“ und „Magpie“ lauschen die Fans andächtig ohne störende Hintergrundgespräche, das verdient großen Respekt.

In der zweiten Hälfte des 70-minütigen Konzerts folgen dann die „Ignorance“-Hits. Das verträumt-poppige „Tried To Tell You“, das mit einem schrägen Saxophon aufwartende „Robber“, das düster-sehnsüchtige „Atlantic“ und als letzter Song vor den beiden Zugaben das treibende „Parking Lost“. Die Band spielt alles ohne Firlefanz und Tamara Lindeman verzaubert mit ihrer zurückhaltenden Präsenz die Fans. Die zwar alles geben, um eine weitere Zugabe zu hören, doch nach dem rockigen „Thirty“ folgt kein weiterer Song mehr. Ein höchst angenehmer Konzertabend mit einigen der schönsten Songs des letzten Jahres.         

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