The Vaccines live im Hamburger Knust

The Vaccines live im Hamburger Knust

Indie-Garage-Punk-Pop von The Vaccines

von Gérard Otremba

Nicht ganz umsonst ertönt beim Einmarsch der Londoner Formation The Vaccines das Intro aus „Do You Remember Rock’n’Roll Radio?“ von den Ramones. „Hey Ho, Let’s Go!“ könnte natürlich auch das Motto der Vaccines lauten. Für alle, die die Ramones nicht mehr wirklich erlebten, springen The Vaccines nun in die Bresche. Natürlich hatten die Ramones nie die abgefuckte „No Future“-Punk-Attitüde der Sex Pistols inne. Vielmehr orientierten sich die New Yorker am Rock’n’Roll der 50er und Früh-60er Jahre. Tanzbarer Garagen-Rock-Pop wie er in „Sheena Is A Punk Rocker“, oder „I Wanna Be Your Boyfriend“ nicht besser zum Ausdruck gebracht werden konnte.

The Vaccines trumpfen mit knackigen und prägnanten Songs auf

Und diese Tradition lebt in den Songs von The Vaccines wieder auf. Kurze, prägnante Zwei- bis Drei-Minuten Songs, die sich gewaschen haben, auf jeglichen Schnörkel und Popanz verzichten und sofort zur Sache kommen. Es war von vornherein klar, daß dieses Konzert zu den eher kürzeren zählen würde, ähnlich wie das Debütalbum „What Did You Expect From The Vaccines„. 15 Songs und knappe 50 Minuten später ist der Spuk schon wieder vorbei. Und manchmal, wie bei den Vaccines, reicht das alles auch schon aus. Mit „Blow It Up“ beginnt der Tanz auf dem Vulkan der Vaccines und natürlich blasen Sänger Justin Young, Gitarrist Freddie Cowan, Bassist Arni Arnason und Schlagzeuger Pete Robertson alles weg, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die Ramones und die Smiths stehen Pate für die Musik der Vaccines

Das irre Tempo bei „Wreckin‘ Bar (Ra Ra Ra)“ lädt zum ausgelassenen Pogo-Tanz ein, eine Punk’n’Roll-Tour der Force in einer Minute und 20 Sekunden und schon tobt der Saal. Euphorie und gute Laune hoch zehn. Die große Geste des Gitarren-Pop ist den Vaccines ebenfalls nicht fremd. Für „A Lack Of Understanding“ und „Wetsuit“ drosseln die Vaccines das Tempo, ohne jedoch ihre Intensität zu verlieren. Es ist ein leichtes für Justin Young, das geneigte Publikum ad hoc zum Mitklatschen zu bewegen. Auch bei „Under Your Thumb“ und dem dynamischen „All In White“ zelebrieren die Vaccines die Grandezza des Pop. Hier und im einfach großartigen „Post Break-Up Sex“ sind die Smiths mehr als nur artverwandte Kollegen.

Die Vaccines erweisen sich als die besseren Strokes

Neuere Songs fügen sich nahtlos in das bekannte musikalische Umfeld ein. Die Vaccines sprudeln nur so über mit unbeschwertem Gute-Laune-Bubblegum-Pop. Zum Schluß gibt es noch eine gepfefferte Ladung Ramones mit „If You Wanna“ und dem atemberaubenden „Norgaard“ zu hören, bevor das Konzert unter großem Getöse mit „Family Friend“ sein Ende findet. Zu einer kurzen Zugabe können sich die vier Engländer noch aufraffen und alle die an diesem Abend im Knust dabei waren, wissen, die Vaccines sind zur Zeit die besseren Strokes.

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