The Vaccines: English Graffiti – Album Review

The Vaccines: English Graffiti – Album Review

The Vaccines sind auf dem Weg zurück in die Zukunft

von Gérard Otremba

Das Debütalbum What Did You Expect From The Vaccines? war 2011 ein rauschendes Fest. Das Londoner Quartett überschlug sich geradezu von Ehrgeiz, die ideale Verbindung zwischen dem Ramones-Punk’n’Roll und dem Smiths-Gitarren-Pop-Rock herzustellen. Dabei bedienten sich Sänger und Gitarrist Justin Young, Gitarrist Freddie Cowan, Bassist Arni Arnason und Schlagzeuger Pete Robertson in allen Jahrzehnten der popmusikalischen Kultur, um so mitreißende Songs wie „Wreckin‘ Bar (Ra Ra Ra)“, „If You Wanna“, „Blow It Up“, „Wetsuit“ oder „Post Break-Up Sex“ einzuspielen. Das erinnerte dann an die Glanzzeiten von Franz Ferdinand, The Libertines und The Strokes. Mit Come Of Age folgte bereits 2012 ein beachtenswerter Nachfolger, der zwar in der Gesamtheit nicht an das Debüt heranreichte, aber immer noch mit furiosen Rock’n’Roll-Hymnen wie „I Always Knew“, „Teenage Icon“ oder „All In Vain“ punkten konnte. Der Kreuzzug von The Vaccines durch die Musikhistorie geht nun auf English Graffiti weiter. Der dritte Longplayer beginnt mit dem 2:20-Minuten-Fanal „Handsome“, eine flippige, dringliche Indie-Rock-Nummer, gleichzeitig die erste Singleauskopplung, die jede Indie-Disco im Sturm erobern sollte. Gewaltige Gitarrenriffs und ein opulenter Chorus beeindrucken in „Dream Lover“, während melodiöser und sehnsüchtiger 80er-Pop in „Minimal Affection“ dominiert.

Überhaupt suchen The Vaccines auf English Graffiti einen wesentlich größeren Disco-Pop-Bezug als vormals, ohne jedoch den Rock’n‘Roll zu vernachlässigen, wie das explosive „20 / 20“ beweist. Schnörkel- und kompromissloser Rock’n’Roll, der nur eine vorwärtsgewandte Richtung kennt. Nach so viel Schmiss darf sich die Band mit der edlen, verträumten und abgehobenen Schmalzballade „(All Afternoon) In Love“ auch mal ausruhen. „Denial“ changiert dann wieder zwischen Disco-Pop und Rock, Gitarren-Dream-Pop evoziert „Want You So Bad“, wüst und wild geht es bei „Radio Bikini“ zu Sache, viel Sehnsucht liegt „Maybe I Could Hold You“ zu Grunde, Euphorie und opulente Hymnik überwiegen bei „Give Me A Sign“, bevor das kurze Instrumental „Undercover“ das Album beschließt. Auf der Deluxe Edition befinden sich noch mit dem akustischen „English Graffiti“, dem Folk-Pop von „Stranger“ und dem Disco-Pop-Rock mit „Miracle“ drei Bonus-Tracks sowie durchaus erfrischende und lustige Remix-Fassungen von „Handsome“, „Dream Lover“, „20 / 20“ und „Give Me A Sign“. The Vaccines haben ihren Weg im Rock-Pop-Business zweifellos gefunden.

„English Graffiti“ von The Vaccines ist am 22.05.2015 bei Columbia / Sony Music erschienen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommentar schreiben