The Saints: Long March Through The Jazz Age

The Saints Chris Bailey credit Elisabet Corlin

Für den großen Nick Cave waren The Saints „die beste Band Australiens“, für Bob Geldof Punkrock-Pioniere. Nun kommt ihr wohl letztes Album heraus.

von Werner Herpell

Wow, das sitzt: „Meiner Meinung nach waren The Saints die beste Band Australiens … und Chris Bailey war mein Lieblingssänger“, sagt ein gewisser Nick Cave, als Landsmann dieser „Heiligen“ aus Brisbane und selbst Songwriter von Weltrang eine nicht ganz unwichtige Expertenstimme. Dem einstigen Gothic-Rock-Gott zufolge hatten The Saints „einen Sound, den sie ganz allein entwickelt hatten und der schon vor dem Punk in Großbritannien existierte. Sie waren die Ersten.“ Ein veritabler britischer Sir namens Bob Geldof meint zur Einordnung: „Rock wurde in den 70ern von drei Bands verändert – The Sex Pistols, The Ramones und The Saints.“

Ein weiteres Saints-Spätwerk als Schlusspunkt

The Saints Long March Through The Jazz Age Albumcover Fire Records

Da schwingt natürlich viel Trauer mit, wenn die tolle Indie-Plattenfirma Fire Records mit

„Long March Through The Jazz Age“ nun das letzte Album von Chris Bailey und The Saints veröffentlicht – einen Tag vor dem, was eigentlich der 69. Geburtstag des Sängers hätte werden sollen, der allerdings 2022 mit gerade mal 65 starb. Nach dem starken Comeback „King Of The Sun“ (2012) war die 1973 gegründete Band vor sieben Jahren in die Church Street Studios von Sydney marschiert, um ein weiteres großes Spätwerk der Punkrock-Pioniere einzuspielen. „Aus Baileys groben Demos entwickelte sich ‚Long March Through The Jazz Age‘ zu einer zutiefst menschlichen Momentaufnahme der Moderne“, schwärmt das Fire-Label.

Diese zwölf Lieder, so traditionell und „klassisch“ sie als Folk- und Singer-Songwriter-Tracks mit Punk-Gestus auch daherkommen, zeichnet tatsächlich eine ungemein sympathische Spielfreude und zeitgemäße Frische jenseits jeder Altrocker-Bräsigkeit aus. Schon der prachtvolle Opener

von Werner Herpell

Jahrgang 1960. Langjähriger Agentur-Journalist für Politik und Panorama/Kultur, zuletzt mit Schwerpunkt Musik inklusive Albumbesprechungen und Themenplanung. Nach dem Magister-Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik in Münster/Westfalen von 1990 bis 2022 Redakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Musikalische Vorlieben sind breit gestreut - von Singer-Songwriter und Folk über Indie-Pop und Rock bis zu klassischem Soul und (Piano-)Jazz. Ein paar Namen gefällig? Zehn seiner Helden mit "Inselplatten" (in alphabetischer Reihenfolge): The Beatles, Nick Drake, Marvin Gaye, Brad Mehldau, Prefab Sprout, Radiohead, Paul Simon, Bruce Springsteen, Wilco, Neil Young.