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20. Juli 2023Dass große Namen auf einer Gästeliste nicht alles sind, zeigt das neue Album der Soul-Veteranen The Isley Brothers. Legenden der afroamerikanischen Musik bleiben sie trotzdem.
von Werner Herpell
Die Geschichte der Soul- und Funk-Band The Isley Brothers kann man nur mit riesigem Respekt, ja mit Ehrfurcht zusammenfassen: Bereits in den 1950er (!) Jahren als Familien-Gospelchor in Cincinnatti/Ohio gegründet, das Rhythm & Blues-Albumdebüt von 1957, erste Hits wie das Cover von „Twist And Shout“, Superstars im Motown-Sound der Sixties, seither trotz diverser Umbesetzungen eine Konstante des (afro)amerikanischen Pop. Die Label-PR weiß weitere spannende Fakten zu erzählen: Aufgenommen in die Rock and Roll Hall of Fame, zwei Grammy-Gewinne, 18 Millionen verkaufte Alben.
Kein perfekter Abschluss
Und doch hofft man, dass die neue Platte der
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betagten Isley Brothers (Gründungsmitglied und Sänger Ronald ist 82, Gitarrist Ernie 71) nicht ihre letzte sein sollte – weil das qualitativ kein perfekter Karriere-Abschluss für diese Black-Music-Ikonen wäre. Denn „Make Me Say It Again, Girl“ ist – so schön die seidigen Soul-Vocals auch klingen – leider ein Beispiel für ziemlich altmodischen, überproduzierten und manchmal kitschigen R&B von der Stange.
Dabei geht das erste eigene Isleys-Album seit 2006 (und insgesamt 31. der Band) mit einem Knaller-Titelstück los: In einem fast achtminütigen Remake ihrer Ballade „Make Me Say It Again, Girl“ aus dem Jahr 1975 werden die vom früheren Quartett verbliebenen Brüder von keiner Geringeren als Beyoncé begleitet. Und „Queen Bey“ gibt so einiges an Herzblut für diese Neuinterpretation, die angesichts des Liebesgesäusels der Veteranen leicht peinlich wirken könnte.
The Isley Brothers 2023: zu soft, zu träge
Das mit 14 meist soften, rhythmisch trägen Liedern überlange Album wird auch danach von Promi-Gästen verziert. Der Rapper Snoop Dogg, die ikonische Soul-Funk-Bigband Earth, Wind & Fire, Sänger El Debarge, 2Chainz, Trey Songz, Migos und Rick Ross liefern Beiträge ab, die insbesondere mit ihren HipHop-Elementen ein moderneres Sound-Ambiente vorgaukeln, letztlich aber oft nur aufgesetzt wirken.
Dass The Isley Brothers mit diesem Old-School-Mix noch einmal großen Erfolg haben, sei ihnen von Herzen gegönnt. Aber ob der stets auf seinen guten Geschmack achtende Barack Obama die alten Herren auch diesmal wieder in eine seiner renommierten Musik-Playlists aufnimmt? Egal wie man nun zum mediokren „Make Me Say It Again, Girl“ steht – diese Band ist und bleibt natürlich ein legendärer Bestandteil der Popmusik der vergangenen 60 bis 70 Jahre. Jetzt bitte noch ein Spätwerk auf Top-Niveau, ihr Soul-Brüder!
Das Album „Make Me Say It Again, Girl“ von The Isley Brothers erscheint am 21.07.2023 auf Ri Top Ten Records/The Orchard/Membran/Bertus.





