The Fuck Hornisschen Orchestra: Palmen – Album Review

The Fuck Hornisschen Orchestra: Palmen – Album Review

Reizvolle und witzige Comedy-Musik

von Gérard Otremba

The Fuck Hornisschen Orchestra besteht zwar nur aus zwei Mann, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Nach vom fohlen und wäldern, nach glanz trachten und Hoffnung 3000 ist Palmen das vierte Album als The Fuck Hornisschen Orchestra auftretenden Duos Julius Fischer und Christian Meyer. Als Studenten lernten sich Fischer und Meyer in Leipzig kennen, traten zunächst als Poetry Slammer auf, bevor sie ab 2008 unter diesem aussagekräftigen Namen The Fuck Hornisschen Orchestra die Musik in ihr Repertoire aufnahmen. Durch Auftritte bei diversen Comedy-Shows (u.a. NDR Comedy Contest, Nightwash, Quatsch Comedy Club) wuchs der Bekanntheitsgrad des kleinen Orchesters und seit 2014 sind die beiden mit der eigenen Sendung Comedy mit Karsten regelmäßig auf MDR zu sehen.

Bereits beim titelgebenden Opener „Palmen“ ziehen Julius Fischer und Christian Meyer alle Reimregister und überzeugen mit pointierten Wortwitz. Natürlich will The Fuck Hornisschen Orchestra nur unser Geld und gibt in dem eben so betitelten Song denn auch konsequenterweise eine IBAN durch. Fischer und Meyer lästern über den nervigen Studenten („Student“), ziehen über saloppe Comedy-Kollegen her („Karma Comedian“), machen sich über den Mann ab 30 lustig („Alles muss, nichts kann“) und schenken Sachsen eine eigene Hymne („Sachsen“), ganz im Sinne und Stil von Rainald Grebe. Die sich gegen den alltäglichen Übelastungswahn richtende a capella-Nummer „Immer was zu tun“ hätten Die Prinzen nicht schöner singen können und Pech für uns Deutsche, dass wir den „Schlager“ haben, während andere Länder auf die Tradition von Punk-Rock, Chanson, Indie, Jazz und Swing zurückblicken können („Alle anderen haben gute Musik, und wir haben den Schlager“). Sogar der moderne Pferderoman ist nicht vor der Ironie von The Fuck Hornisschen Orchestra sicher, wie „Aileen 5“ beweist („Hochmut kommt vor dem Stall“).

In „Willkommen“ haben sich die Flüchtlinge Deutschland sicherlich anders vorgestellt, in diesem Song bekommen Nationalisten jeglicher Form ihr Fett weg und gegen die mediale Reizüberflutung wird in „XBV“ gewettert. Und weil diese manchmal so schön sinnentleert ist, wird hier ein Techno-Beat unterlegt, und das mit Ankündigung („Achtung, jetzt Techno“). Musikalisch findet sich auf Palmen ein bunter Mix aus Singer-Songwriter, Rap, Pop, Jazz und Blues. Doch welchen Stil auch immer das Duo benutzt, man wird das Gefühl nicht los, die Musik sei ein elementarer Teil der Ironie, wie der an Helge Schneider („Klapperstrauß“) erinnernde Techno-Sound. Humoristisch gesellt sich The Fuck Hornisschen Orchestra auf Palmen zwischen die Absurdität eben eines Helge Schneider, des originellen Klamauks von Die Doofen und dem Esprit von „Stenkelfeld“. Und das kann ja so verkehrt nicht sein.

„Palmen“ von The Fuck Hornisschen Orchestra ist am 09.10.2015 bei Voland & Quist erschienen.

 

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