The Doors: L.A. Woman – 40th Anniversary Edition

The Doors: L.A. Woman – 40th Anniversary Edition

Ein zeitloser Pop-Klassiker

von Gérard Otremba

 doors la

Es war ein letzter Kraftakt im Leben des Jim Morrison. Ein Kraftakt, der sich musikalisch lohnte, entpuppte sich „L.A. Woman“ nach dem Debütalbum von 1967 als die beste Platte, die die Doors auf den Markt brachten. Nicht daß „Strange Days“, „Waiting For The Sun“, „The Soft Parade” oder “Morrison Hotel” schlechte Platten sind, gewiß nicht. Doch das Leben auf der Überholspur zeigte deutliche Verschleißerscheinungen bei Jim Morrison. Vom einstigen „Lizard King“ und Sexsymbol war 1970/71 nicht mehr viel übrig. Vom überhöhten Drogengenuß gekennzeichnet, vollbärtig und für seine Verhältnisse dick, war Morrison einem menschlichen Wrack näher als einem umjubelten Rockstar.

Das Album „L.A. Woman“ zeigt die Doors auf ihrem letzten großen Höhenflug

Rockstar wollte Jim Morrison ohnehin nicht mehr sein. Das Dichtersein lag ihm näher, doch die Liebe zum Blues-Rock obsiegte noch einmal. Allerdings war Morrison dermaßen ausgebrannt, daß der langjährige Produzent Paul Rothchild aus Motivationsgründen die Produktion der Platte der Band überließ. Und gemeinsam mit dem musikalischen Oberaufseher Bruce Botnick erklommen die Doors ein letztes Mal wahre Höhenflüge. Jim Morrison, Robby Krieger, Ray Manzarek und John Densmore, assistiert von Bassist Jerry Scheff und Rhythmusgitarrist Marc Benno, spielten zehn grandiose Songs zwischen Blues, Rock und Pop ein. Und mit dem Titelsong „L.A. Woman“ sowie „Riders On The Storm“ zauberten die Doors noch zwei ihrer genialsten Songs schlechthin auf diese Platte.

Auf „L.A. Woman“ präsentieren die Doors Blues, Rock und Pop in bester Qualität

Selbstredend hatten es auch die anderen Songs in sich. Beginnend mit dem funky Blues-Rock-Pop von „The Changeling“, geprägt von Morrisons innbrünstig tiefer Stimme, Kriegers Gitarrensoli und Manzareks jaulender Orgel, hin zum fluffigen Pop von „Love Her Medley“. So wünscht man sich den Mainstream heute. Der Blues von „Been Down So Long“ hat Schneid und Drive, der Blues von „Cars Hiss By My Window“ pflügt gemächlich durch die Baumwollfelder der Südstaaten und das John Lee Hooker-Cover „Crawling King Snake“ präsentiert uns Jim Morrison mit seiner in der Zwischenzeit perfektionierten Brummbär-Stimme. Das Gedicht „The WASP (Texas Radio an the Big Beat)“ wird von Morrison im Sprechgesang vorgetragen und von Manzarek, Krieger und Densmore musikalisch ins Szene gesetzt, während „L’America“ Morrisons altes Schamanentum wieder aufleben läßt und „Hyacinth House“ durch das liebevolle Arrangement überzeugt.

Die Songs „Riders On The Storm“ und „L.A. Woman“ als zeitlose Geniestreiche

Einfach nur noch genial zu nennen ist der Titelsong „L.A. Woman“. Hier entfaltet sich die hypnotische Magie, das dionysisch Rauschhafte eines Jim Morrison in vollen Zügen. Drogen sind gar nicht nötig, um bei diesem Song erschöpfungsähnliche Trancezustände zu erreichen. Ein innovativer und ergreifender Rock-Klassiker. Und was ist schon alles über die Zeilen „Mr. Mojo risin‘“ spekuliert worden, handelt es sich dabei vordergründig erst mal um ein Anagramm des Namens Jim Morrison. „Riders On The Storm“ ist dann der erhabene und würdige Abschluß eines der vorzüglichsten Alben der Rockgeschichte und das Ende einer der außergewöhnlichsten Rockbands. Als ob alle den nahen Tod Jim Morrisons geahnt hätten, braust hier Regen und Donner über den Hörer hinein, getragen von Manzareks unwiderstehlichem Orgelspiel. Morrison singt wieder so rein wie 1967, der Kreis schließt sich nach nur gut fünf Jahren, wenige Wochen nach der Veröffentlichung von „L.A. Woman“ im Frühjahr 1971 verstarb er.

Alternative Versionen der großartigen Songs von „L.A. Woman“

Auf der zweiten CD der „40th Anniversary Edition“ sind diverse alternative Versionen enthalten, die zwar kein neues Licht auf die Songs werfen, aber einige Finten und Finessen bereithalten und eine dann doch erstaunlich kompakte und spielfreudige (Live-)Band im Aufnahmestudio zeigen. Das bisher unveröffentlichte „She Smells So Nice“ klingt wie ein Bruder im Geiste von „The Changeling“ und „Rock Me“ huldigt dem Muddy Waters-Blues. „L.A. Woman“ ist und bleibt eines jener großartigen Rockalben, die auch nach 40 Jahren nichts von ihrer überwältigenden Wirkung verloren haben und es einfach Spaß macht, diese immer wieder neu zu entdecken.

„L.A. Woman – 40th Anniversary Edition“ von den Doors ist am 20.1.2012 bei Rhino Records / Warner Music Germany erschienen.

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.