The Devils: Beast Must Regret Nothing

The Devils: Beast Must Regret Nothing

Der Rock’n’Roll lebt im neuen Album des italienischen Duos The Devils

Nonne bzw. Priester war gestern. Nach zwei explosiven Perlen auf Voodoo Rhythm Records beheimatet die deutlich einflussreichere Indie-Größe Cargo-Records nun das Duo aus Neapel, das sich nach dem berüchtigten Ken Russell-Streifen gleichen Namens benannte und dies durch die Wahl des Bühnenoutfits optisch unterstrich. Ihre Auftritte als Headliner durch die kleinsten Clubs Europas sowie als Anheizer für u.a. Boss Hog, The Monsters oder Nashville Pussy sind Legende und boten puren, minimalistischen und dadurch hochwirksamen Rock’n’Roll – das Gegenteil von Prog-Rock, quasi.

Es regiert feuchte Schwüle

The Devils Beast Must Regret Nothing Cover Cargo Records

Das haben sie auf eben diesem dritten Longplayer, der unter den Fittichen des on tour in Spanien kennen wie schätzen gelernten Alain Johannes eingespielt wurde, nicht verlernt. Trotz Johannes‘ Reputation als Produzent der Sounds um die Queens Of The Stone Age und deren weit verzweigter Bekanntschaft, bleibt hier die Wüste draußen – es regiert eher feuchte Schwüle als Trockenheit. Meistens. Im Titelsong rockt der Produzent mit, sein Kumpel Mark Lanegan darf bei „Devil Whistle Don’t Sing“ Schützenhilfe leisten. Wirklich nötig ist das nicht, das Duo schafft sich auch zu zweit den berüchtigten Wolf, wie es seit den White Stripes häufiger vorkommt, jedoch selten mit dieser Durchschlagskraft. Mit leichtem Gepäck reist es sich eben einfacher.

Geiler Rock von The Devils

Gitarrist sowie (Mit-)Sänger Gianni Blacula und seine Partnerin Switchblade Erika an Drums wie Stimme haben den Blues wie den Garagen-Rock intus, Erika addiert eine waffenscheinpflichtige Laszivität, die ironisch, allerdings niemals aufgesetzt wirkt. Im besten Sinne geiler Rock, könnte man ebenso sagen. Dieser fetzt sich in diversen Tempi von rasch über flott bis schnell durch den Tonträger, selten dabei die Drei-Minuten-Marke knackend. Bloß beim Stück mit Lanegan braucht dieser Zeit zum Ausholen und zieht das Ganze auf zähere wie schwerere drei Minuten fünfundfünzig: Das ist die eine Single, um The Devil’s bekannter zu machen und die ihr Œuvre  nicht wirklich repräsentiert (trotzdem toller Song). „Real Man“, die andere Single, tut das als Heavy Blues auch nur ansatzweise, fasst dafür alles andere gut zusammen, was bei den beiden Italienern essentiell ist. Der Rezensent vom Metal Hammer wünscht sich Russ Meyer- oder Mario Bava-Streifen als Rückprojektionen dazu und trifft es damit auf den Punkt, Jess Franco wäre ebenso passend.

„Beast Must Regret Nothing“ ist mal wieder eines dieser Alben, welches nach Liveshows schreit und einen die augenblicklichen Umstände verfluchen lässt – im Gegensatz zu den zahllos erscheinenden, verinnerlichten Werken anderer Künstler:Innen, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen alles erträglicher zu machen. So gesehen bereitet es fast schon Schmerzen, aber auf eine gute Art. Sie zeigen, dass man noch am Leben ist.

„Beast Must Regret Nothing“ von The Devils erscheint am 23.04.2021 bei Goodfellas / Cargo Records. (Beitragsbild-Credit: Devils press)

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