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27. März 2025Schottischer Indie-Pop ist seit über 40 Jahren eine feste Bank. Grahame Skinner gehörte immer dazu. Vorhang auf für sein Comeback mit The Cowboy Mouth.
von Werner Herpell
Die schottische Pop-Szene ist schon seit den 80er-Jahren eine ganz besondere – mit (zu Recht) großem Selbstbewusstsein und engen, lang anhaltenden Verbindungen der prägenden Musiker untereinander. Graue Eminenz (eine Floskel, die angesichts der Haarfarbe inzwischen tatsächlich gut passt) des Glasgower „Sophisticated Pop“ ist Grahame Skinner, der immer noch beneidenswert schlaksige Frontmann des Quartetts The Cowboy Mouth, um dessen tolles Comeback-Album „Faultlines“ es hier vorrangig gehen soll.
Eine Rückkehr nach 30 Jahren
Mit The Jazzateers, Hipsway (die in den 80ern sogar ein paar UK-Hits hatten), Witness und The Skinner Group war der inzwischen 62-jährige Sänger, Songwriter und Gitarrist immer präsent, hoch angesehen und beliebt. Zu schottischen Musikerkollegen wie James Grant (Friends Again, Love & Money) oder Chris Thomson (The Bathers) hielt er stets freundschaftlichen Kontakt, teilweise war man sogar beim selben deutschen Auskenner-Label Marina Records in Hamburg unter Vertrag.
Dort erschien 1994 auch „Life As A Dog“ von Skinners Nineties-Band Cowboy Mouth, ein zwischen Soul, Gitarrenpop, Glam-Rock und Folk-Blues oszillierendes, zeitloses Werk, das fast 30 Jahre später von der verdienstvollen Plattenfirma Last Night From Glasgow (LNFG) mit leichten Veränderungen wiederveröffentlicht wurde: Der Bandname lautete nun (wohl aus rechtlichen Gründen wegen einer US-Retro-Band aus New Orleans) The Cowboy Mouth, das Album hieß „My Life As A Dog“, die Reihenfolge der Tracklist war eine etwas andere. Aber hier schweift der Scot-Pop-Fan ins unnütze Detailwissen ab, daher zurück zu „Faultlines“.
Spielfreude und Melodieseligkeit
Gleich vorweg: Das Glasgower Label LNFG ist zu Recht stolz auf diese vorzügliche Platte („Eine herrlich beschwingte Sammlung von Popsongs – wir würden in aller Bescheidenheit behaupten, dass sie das beste Werk von Mr. Skinner darstellen“). Denn The Cowboy Mouth – bestehend aus Glasgow-Pop-Legenden wie Skinner (Vocals) oder Douglas MacIntyre (Gitarre) – legen auf „Faultlines“ eine fast schon naive Spielfreude und taufrische Melodieseligkeit an den Tag, wie man sie einer so abgeklärten Ü60er-Band nach so vielen Jahren nicht unbedingt zutraut.
Die zehn Songs sind allesamt erste Wahl und erinnern an die edelsten Blüten des soulpoppigen, latent melancholischen Postcard-Sounds der 80er von Aztec Camera bis Orange Juice, der alsbald auch Down-Under-Bands wie The Go-Betweens oder The Chills infizierte (und viele andere Gitarrenpop-Bands). Grahame Skinner ist mit seiner ungekünstelten, zwischen cooler Ruppigkeit und nahbarer Wärme changierenden Baritonstimme weiterhin Dreh- und Angelpunkt des Quartetts, treibende Uptempo-Tracks („Following You“, „The Swimmer“, „Haunt You“) überzeugen ebenso wie smoothe Blue-Eyed-Soul-Schleicher („Faultline“, „It Clearly Matters To You“, „Burning Bridges“) oder prächtige Gitarrenballaden („Yeah Yeah Yeah“, „Poster Boy“, „Favourite Son“).
The Cowboy Mouth im Positiv-Trend
Ja, es sind gute Zeiten für qualitätvollen schottischen Indiepop (und für dessen „Veteranen“). Zuerst die Rückkehr von Chris Thomsons Barockpop-Band The Bathers mit dem luxuriösen „Sirenesque“ – für diesen Reviewer eines der drei Top-Alben von 2023. Im Vorjahr die wunderschönen Artpop- und Folkrock-Platten von Chrysanths, Snowgoose und Blue Rose Code. Und an diesem Freitag will es der Zufall, dass neben „Faultlines“ von The Cowboy Mouth auch noch ein zumindest zu zwei Dritteln schottisches Opus magnum rauskommt: Das Folkpop-Trio Butler Blake & Grant – neben Bernard Butler (ex Suede) noch Norman Blake (Teenage Fanclub) und der bereits erwähnte James Grant – nimmt (Spoiler!) mit seinem selbstbetitelten Debüt Kurs auf so einige Jahresbestenlisten.
Das Album „Faultlines“ von The Cowboy Mouth erscheint am 28.03.2025 bei Last Night From Glasgow (LNFG).





