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2. Juni 2026The Bug Club wandelt trittsicher auf schmalem Grat zwischen Garage- und Glied-Rock
von Marc Wilde
Der Penis hat aktuell in der Popkultur einen schweren Stand. Zwar gibt es immer noch Menschen, die Till Lindemann weiterhin auf seiner Peniskanone reiten sehen möchten, demonstrative Männlichkeitsgesten werden aber inzwischen auch dort hinterfragt, wo sie sich über Jahrzehnte hinweg eingenistet haben – in der gitarrenlastigen Rockmusik. Diesem Genre ist auch The Bug Club treu geblieben. Gleichzeitig überrascht es, dass sie sich auf „Every Single Muscle“ auffällig viel mit dem männlichen Glied beschäftigen.
The Bug Club und der Sinn für Humor
Wer das walisische Duo kennt, weiß um seinen Sinn für Humor. Und so wird die Genitalfixierung auf textlicher Ebene genauso ironisch gebrochen und dekonstruiert wie die Zitate des Hard-Rock aus den Siebzigerjahren. Am treffendsten gelingt dies in „Semi-Automatic“, wenn der Gitarrist nach wiederholtem Flehen („Please can I play my solo now“) seine Fingerfertigkeit endlich unter Beweis stellen darf.
„Every Single Muscle“ ist ein Kaleidoskop aus unbändiger Energie und Schaffenskraft. Die 18 Stücke strahlen in verschiedenste Richtungen aus und stürmen los wie eine freigelassene Schafsherde auf die grüne Wiese. Garage-Rock und sanfte Sixties-Melodien fügen sich nahtlos aneinander, ausgefeilte Bassläufe setzen die Akzente und laut verzerrte Gitarrenriffs sorgen für punkige Störmomente.
Schüchterner Wechselgesang zur Schrammelgitarre
Harmonie entsteht vor allem dann, wenn nicht nur Bass und Gitarre, sondern auch die beiden Stimmen in den Dialog treten. Der Call- und Response-Part von „Make It Count“ macht besonders gute Laune. Zur Schrammelgitarre singen Sam Willmett und Tilly Harris über die Unbeholfenheit eines Paars, das sich zum ersten Mal nackt begegnet: „Tell me where to look / Tell me what to focus on.“ Das Stück markiert den schüchternen Auftakt zur von der Band selbst so bezeichneten „Penis-Trilogie“, die in „How Can We Be Friends“ die Fortsetzung und in „My Uncle Warren Drives A Passat“ ihren Kulminationspunkt findet.
Im Titeltrack gerät der menschliche Körper erneut ins Visier. Diesmal werden seine komischen Ausprägungen jedoch nicht mehr augenzwinkernd aus der Perspektive fragiler Unsicherheit betrachtet. In seiner von maskuliner Disziplin hochgezüchteten Form wird er nunmehr der Lächerlichkeit preisgegeben. Dafür steht sinnbildlich das groteske Albumcover, das eine muskelbepackte Comicfigur – halb Mensch, halb Tier – kurz vor dem Platzen zeigt.
The Bug Club: „We don’t give a fuck”
„Zum Bersten voll“ wäre auch eine treffende Umschreibung für das fünfte Album der nicht stillstehenden Band aus Wales. Wie sie sich dabei elegant und trittsicher zwischen den Genres bewegen und darüber hinaus noch Penishumor leisten können, ohne peinlich zu sein, stellt im Jahr 2026 eine besondere Kunst dar. The Bug Club machen alles richtig. Wahrscheinlich liegt es an ihrer Einstellung: „We don’t give a fuck about anything / We only play guitars.”
„Every Single Muscle“ von The Bug Club“ erscheint am 29.05.2026 bei Sup Pop. (Beitragsbild von credit Adam Whitemoreis)





