The Blow Monkeys: Together/Alone

The Blow Monkeys Pressefoto

Eine Woche nach Paul Weller veröffentlicht auch sein alter Buddy Dr. Robert mit The Blow Monkeys ein neues Album. Und was für eines. Besser geht „weißer Soul“ wirklich nicht.

von Werner Herpell

Wer sich heute an die glamouröse britische Pop-Szene der 80er erinnert, denkt zunächst an Bands wie ABC, Duran Duran, Heaven 17 oder The Style Council – und vergisst womöglich unverdientermaßen The Blow Monkeys. Dabei war das Blue-Eyed-Soul-Quartett um den stets stilvoll gekleideten Sänger Robert Howard alias Dr. Robert seinerzeit eine feste Größe in den europäischen Charts. Und der Frontmann hatte mit eloquentem Links-Drall auch politisch etwas zu sagen im tristen Land der gestrengen Tory-Regierung von Margaret Thatcher. Wie gut die 1981 gegründete, nach Split und Unterbrechung seit 2007 wieder fast in Originalbesetzung aktive Band gealtert ist, lässt sich jetzt auf einem ungeheuer frischen und smarten neuen Album nachhören.

Ein Band-Album mit breitem Spektrum

The Blow Monkeys Together Alone Albumcover

Der gebürtige Schotte Robert Howard, seit kurzem 63, veröffentlicht „Together/Alone“  (wie bereits die Best-of-Compilation „Time Storm – Greatest Hits Volume 2“ von 2023) beim Glasgower Label Last Night From Glasgow (LNFG), und in dieses geschmackssichere Umfeld passt die Platte hundertprozentig. In zwölf Tracks breiten die Blow Monkeys ihr großes Spektrum vor dem Hörer aus – von bläsergetriebenem Fifties-Pop („Rope-A-Dope“ ist von „Under The Boardwalk“ der Drifters inspiriert) und Glam-Rock im Stil von Marc Bolan (ein Idol des Dr. Robert) über edle Balladen („Cards On The Table“, „Together Alone“) bis zu knackigem Funk („Not The Only Game In Town“) oder Psychedelia („King Of Everything“). Und immer wieder Soul, Soul, Soul – in einer so entspannten wie charmanten Lesart.

„Ich war ja in einer Art Northern-Soul-Stadt aufgewachsen, meine Schwestern hörten Motown-Musik der Sixties oder Bacharach & David“, erzählte Howard voriges Jahr in einem Interview zur Wiederveröffentlichung des Durchbruch-Albums „Animal Magic“ von 1986. „Soul ist also Teil meiner DNA. Und irgendwann merkte ich eben, dass das zu meiner Stimme und zu meinem Songwriting  passte.“

Die schwarzen Vorbilder intensiv studiert

Da übertreibt er nicht, der gute Doktor. Seine immer schon wunderbar cremigen Vocals sind im Laufe der Jahre noch besser und runder geworden (etwas tiefer auch), er hat seine schwarzen Vorbilder wie Marvin Gaye oder Curtis Mayfield intensiv studiert. Nicht nur in dieser Hinsicht steht Howard nah bei seinem Genossen und Freund Paul Weller, für dessen neues Album „66“ er ein Co-Songwriting („Rise Up Singing“) und Backing-Vocals beisteuerte.

Er hat zwischenzeitlich während der Auszeit der Blow Monkeys (1990-2007) Folk-Jazz, Blues und Singer-Songwriter-Pop gemacht – und vor einigen Jahren mit Monks Road Social ein Projekt ins Leben gerufen, das jungen Musikern und bekannten Kollegen, darunter auch Weller, ein Forum für gemeinsame Sessions bietet (die MRS-Platten sind allesamt sehr zu empfehlen). Jetzt aber widmet sich Robert Howard wieder voll seiner bewährten Band mit Saxophonist Neville Henry, Bassist Mick Anker und Drummer Crispin Taylor – voller Dankbarkeit für die lange gemeinsame Zeit und ohne Bedauern, dass er trotz einiger feiner Pop-Hits („Digging Your Scene“, „It Doesn’t Have To Be This Way“, „Wait“) und riesigen Talents nie ein Superstar geworden ist. „Wenn ich einen großen Plan gehabt hätte, wäre ich wohl erfolgreicher gewesen, aber so ticke ich halt nicht“, sagt der Sänger und Gitarrist selbst, der demnächst auch mal wieder ein Soloalbum auf LNFG herausbringen wird.

The Blow Monkeys als Pop-Galionsfiguren

„Together/Alone“ ist, wie der nachdenkliche Titel und das schwarz-weiße Coverfoto schon andeuten, kein simples Happy-go-lucky-Abtanzalbum, sondern eine musikalisch sehr ambitionierte, auch textlich anspruchsvolle Platte der Blow Monkeys. Insgesamt bestätigt sich, dass Dr. Robert nach den (freilich auch hinreißenden) Disco-Funk- und House-Music-Exzessen der mittleren bis späten 80er und frühen 90er längst zu einer Galionsfigur des britischen „weißen Soul“ und Sophisticated-Pop (obwohl er diese Begriffe nicht so mag) gereift ist. Große Klasse.

Das Album „Together/Alone“ von The Blow Monkeys erscheint am 31.05.2024 bei Last Night From Glasgow (LNFG). (Beitragsbild: Pressefoto)

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