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28. August 2025Klar, The Blow Monkeys machen auch Musik für Eighties-Nostalgiker. Aber dabei bleibt es nicht. „Birdsong“ ist das beste Album von Dr. Robert und Co. seit jener Pop-Ära.
von Werner Herpell
Da sind sie wieder – diese erhebenden Streicher, dieses jazzige Saxophon, diese seidigen Vocals zwischen Bowie und Bolan, dieser treibende Groove. Kurz: Musik, die einen in der Zeitmaschine um knapp 40 Jahre zurückbefördert. In eine Ära von britischem Pop, der elegant und kämpferisch zugleich war, der taufrisch und dennoch souverän kenntnisreich klang. Als The Style Council, Swing Out Sister, Sade, Alison Moyet und Everything But The Girl sich mit ihren so smarten wie tanzbaren Jazz-Pop-Funk-Soul-Songs weit oben in den Charts platzierten.
Der Soulpop-Groschen fällt früh
Und natürlich The Blow Monkeys, die es, nach einer rund 15-jährigen Unterbrechung bis 2008, wieder beziehungsweise immer noch gibt. Und die weiterhin einfach großartig sind, auch (und ganz besonders) auf „Birdsong“. Der eingangs beschriebene Song heißt übrigens „The Penny Drops“, ist der Opener des neuen Albums – und erinnert mit den genannten Soulpop-Ingredienzen ungeheuer charmant an „Digging Your Scene“ (1986) oder „It Doesn’t Have To Be This Way“ (1987), die Eighties-Hits der vierköpfigen Band um den schönen, klugen Sänger und Songwriter Robert Howard aka Dr. Robert.
Wie cool die Blow Monkeys seit ihrer Reunion vor 17 Jahren immer noch drauf sind, wie viel Lust sie auf „good old funky music“ haben, stellen sie anschließend auch mit dem Titelstück unter Beweis. Es klingt ein bisschen nach James Brown, aber eben mit der geschmeidigen Stimme eines weißen Engländers, weniger verschwitzt, vielmehr „sophisticated“ (wobei dies ein Begriff ist, den der Blow-Monkeys-Frontmann für seinen Sound nicht besonders mag).
Zwischen Club-Feeling und Balladen-Schmelz
„Walk On, Nothing Is Lost“ drückt eher aufs mittlere Tempo, während „Long Lost Child“ wieder mit Sax, Funk-Gitarre und Disco-Strings ein behagliches 70er-Jahre-Club-Feeling erzeugt. Schon nach diesen vier Songs hat man den Eindruck, dass „Birdsong“ das stärkste, rhythmisch avancierteste Album der Blow Monkeys seit ihrem Comeback werden könnte. Und diese Einschätzung bestätigt sich ohne weiteres, selbst wenn die Gründungsmitglieder Dr. Robert (Gesang, Gitarre), Neville Henry (Saxophon) und Mick Anker (Bass) sowie Crispin Taylor (Schlagzeug) und die formidablen Gäste Mick Talbot (The Style Council, Dexys), Gina Foster und Steve Sidelnyk danach in der prächtigen Ballade „Giving Up The Ghost“ einen Gang herunterschalten.
„Shadowplay“ geht dann aber gleich wieder in die Vollen und ruft Erinnerungen an House-Songs weißer Sänger in den 80er Jahren wach – ein gewisser Dr. Robert war mit „Wait“ ganz vorn dabei. „Rivers To The Soul“ groovt eher entspannt, mit lässigen Reggae-Anleihen und mächtigem Bass. „All At Sea“ im Sixties-Soul-Modus und der erneut dezent housige Popsong „Running From Love“, in dem Dr. Robert seine nach wie vor tolle Stimme locker ins Falsett hochtreibt, leiten das Album auf die Zielgerade. Mit „This Fleeting House“ haben The Blow Monkeys als Finish eine orchestrale Barockpop-Ballade im Stil des jungen Scott Walker – ein krönender Abschluss für das formidable erste „Spätwerk“ dieser Band, für eine Platte, die gleichermaßen nostalgisch und zeitgemäß klingt.
The Blow Monkeys wunschgemäß brillant
„Birdsong“ ist – nach dem Ausflug zu Last Night From Glasgow (LNFG) mit dem ebenfalls sehr guten „Together/Alone“ (2024) und dem Britfolk-Glampop-Duo-Album „The Instant Garden“ (2025) von Dr. Robert & Matt Deighton – die erste Blow-Monkeys-Platte für Creation Youth, das britische Indie-Label von Alan McGee und Killing Joke-Bassist Martin „Youth“ Glover. Die zehn Songs wurden in Paul Wellers Black Barn Studios in Surrey/England aufgenommen und von Robert Howard produziert.
„Alan bat mich, einen ‚brillanten Blow Monkeys-Song‘ zu schreiben und aufzunehmen. Ich wusste, was er meinte“, sagt Howard, inzwischen 64 Jahre alt. „Die Songs sprudelten nur so aus mir heraus, fast ohne Anstrengung, was immer ein gutes Zeichen ist. Es ist ein sehr peppiges Album, und das ist auch so gewollt.“ Und McGee (immerhin Entdecker von Britpop-Ikonen wie Oasis, Primal Scream oder My Bloody Valentine) fügt hinzu: „Das Album (…) ist genauso gut wie alles, was Dr. Robert damals gemacht hat. Es ist die Originalbesetzung bis auf den Schlagzeuger, daher hat es diesen einzigartigen Sound, der unverkennbar für die Blow Monkeys ist. Ich liebe diese Band!“
Wir auch.
Das Album „Birdsong“ von The Blow Monkeys erscheint am 29.08.2025 bei Creation Youth. (Beitragsbild: Albumcover)




