The Avett Brothers: True Sadness – Album Review

The Avett Brothers: True Sadness – Album Review

Auf „True Sadness“ gehen die Avett Brothers zaghaft neue Wege, sie führen die Band zu ihren bekannten Stärken

von Sebastian Meißner

Der akustische Folk, mit dem sich die beiden Brüder Scott und Seth Avett aus North Carolina einen veritablen Ruf eroberten, spielt auch auf dem neuen Longplayer die Hauptrolle. Stücke wie das balladeske „No Hard Feelings“, „Smithsonian, „I Wish I Was“ oder der „Divorce Separation Blues“ wandeln auf gewohnten Pfaden und vereinen die Stärken der Band: gutes Songwriting, empathischer Gesang und ein erdiger Sound, der auch auf dieser Platte wieder von Produzent Rick Rubin ins rechte Licht gerückt wird. Zu den Haupteinflüssen für „True Sadness“ zählt die Band Größen wie Tom Petty, Gillian Welch, Kings of Convenience, Jimmie Rodgers, den Calypso der 1950er sowie den Country der 1930er Jahre. Alles beim Alten also? Nicht ganz.

Nach 16 Jahren Bandgeschichte suchen die Avett Brothers auch nach Anknüpfungspunkten an den Zeitgeist. In „Ain´t No Man“ zum Beispiel sind ein Slap-Bass und Handclaps zu hören. Auf „You Are Mine“ kommt ein Drumcomputer zum Einsatz. Es sind feine Nuancen, die das Spektrum ihres Sounds erweitern, leider aber nicht immer bereichern. Der ganze Konflikt ist ideal im letzten Song „May It last“ zusammengefasst. Während die Strophe im klassischen Americana-Gewand von zeitloser Erhabenheit ist, wirkt der Refrain durch den aufgelegten Effektschleier fehl am Platz und seltsam unterkühlt. Zum Glück sind derlei Spielereien auch auf „True Sadness“ die Ausnahme. Denn am besten sind die Avett Brothers immer noch, wenn sie sich tief in ihre Nostalgie eingraben und die Schönheit ihrer Musik ohne Extrawerkzeug modellieren.

„True Sadness“ von The Avett Brothers ist am 24.06.2016 bei Republic/Universal erschienen.

 

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