The Avett Brothers: The Carpenter

The Avett Brothers: The Carpenter

The Avett Brothers werden von Rick Rubin veredelt

von Gérard Otremba

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So muss dann wohl Country-Folk-Rock-Pop heute klingen. Man weiß gar nicht, wie häufig man das Wort Schönheit benutzen soll und darf, um der neuen Platte der Avett Brothers zu huldigen. Manche mögen einwerfen, „The Carpenter“ klänge zu glatt und zu sauber produziert, aber Rick Rubin hat schon das Alterswerk von Johnny Cash veredelt, wieso nicht das Mittelwerk der Avett Brothers? 2009 hat die Zusammenarbeit auf „I And Love And You“ schon ganz wunderbar funktioniert und auch „The Carpenter“ erstrahlt auf wunderprächtige Weise.

Die melancholische Traurigkeit der Avett Brothers

Seth und Scott Avett sowie Freund und Bassist Bob Crawford wissen, wie schön Traurigkeit klingen kann. So verwundert es nicht, dass die melancholischen Songs auf „The Carpenter“ zu den eindrucksvollsten des Albums gehören. Eine Traurigkeit, die manchmal durch einen Schicksalsschlag erreicht wird, wie ihn Bob Crawford letztes Jahr ereilte, als seine eineinhalb Jahre alte Tochter an einem Hirntumor erkrankte und seitdem um ihr Leben kämpft. Der Zusammenhalt innerhalb der Band nahm weiter zu. Die Avett-Brüder ließen Bob ihre volle Unterstützung zu Teil werden, der sich, wie der Bandname es evoziert, nach eigenen Angaben wie ein Bruder gegenüber Scott und Seth fühlt. Ein weiterer Reifeprozeß für die Band, die auf „The Carpenter“ in der Tat älter und weiser wirkt, als auf den vorherigen Alben. Songs wie „I And Love And You“ und ganz besonders „Head Full Of Doubt/Road Full Of Promise“ aus dem Vorgängeralbum sind zwar nicht zu toppen, aber die Magie und Tiefe jener Lieder erreicht das ein oder andere Stück von „The Carpenter“ ebenfalls.

The Avett Brothers zwischen bewegenden Balladen und euphorischem Rock

Allen voran „Winter In My Heart“. Eine zutiefst sehnsüchtige und anrührende Ballade, getragen von akustischen Gitarren und dem Piano-Spiel von Benmont Tench. Sterbensschön und auch die Säge von Danny Moynahan geht unter die Haut. Irgendwie auch passend zur Jahreszeit. Ein weiteres Highlight ist zweifellos „Down With The Shine“. Es ist die feierliche Hymne, die man auf einem Avett Brothers-Album einfach erwartet und dankenswerterweise auch erhält. In ähnlich grenzenloser und bewegender Schönheit wie „Winter In My Heart“ nehmen „Life“, mit einem herzzerreißenden Cello im Mittelpunkt, „Through My Prayers“, in dem Klarinette und Oboe zum Einsatz kommen, und „A Father’s First Spring“, bei dem einem bereits die Anfangsakkorde Tränen in die Augen schießen lassen, gefangen. Und die anderen Songs stehen den erwähnten in nichts nach. „The Once And Future Carpenter“ findet auf vollkommene Art die Verbindung zwischen Johnny Cash und Willie Nelson, die Banjo-Schunkel-Euphorie prägt „Live And Die“ und in „Pretty Girl From Michigan“, „Geraldine“ und „Paul Newman Vs. The Demons“ geraten die Avett Brothers außer Rand und Band und rocken fröhlich des Weges. „I Never Know You“ und „February Seven“ erinnern schließlich an die Meisterwerke eines Jackson Browne. The Avett Brothers singen auf einfühlsame Weise über Glück und Leid, über Leben und Sterblichkeit, über Hoffnungen und Ängste. Mit „The Carpenter“ gelingt den Avett Brothers schlichtweg eine wunderschöne neue Platte.

„The Carpenter“ von The Avett Brothers ist am 30.11.2012 bei Universal erschienen.

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