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9. April 2025Geheimnisvoll, entrückt, meditativ: Mit ihrem neuen Album „Ekko“ wagt die in Berlin heimische Musikerin Tara Nome Doyle einen Blick in die Tiefen des eigenen Ichs – und findet mit Erzählungen aus der Antike einen Weg, ihren eigenen Ängsten und Zweifeln zu entfliehen.
von Carsten Wohlfeld
Tara Nome Doyle mag es offenbar, ihren Alben einen konzeptionellen Rahmen zu geben. Auf ihrem 2020 veröffentlichten Debüt „Alchemy“ gab die Naturphilosophie den Rahmen vor, zwei Jahre später widmete sie sich auf „Værmin“ oft zu Unrecht als Ungeziefer verunglimpftem Getier und nun sind es Echo und Narziss aus der griechischen Mythologie, die auf „Ekko“ einen, wenngleich eher vagen, roten Faden bilden: Die Sagenfiguren dienen der 27-jährigen Wahlberlinerin mit norwegisch-irischen Wurzeln als Sinnbild für übersteigerten Individualismus und radikale Anpassung in einer Welt, die immer stärker zu den Extremen zu neigen scheint.
Innere Konflikte waren schon immer ein wichtiger kreativer Motor für Doyle, und in ihren neuen Liedern dokumentiert sie nun ihren Versuch der Selbstreflexion, wenn sie sich Schmerz und Abschied, aber auch Ankunft und Akzeptanz widmet und ihre ambivalenten Gefühle in Songs wie „Lighthouse“ festhält: „You learned to cut yourself up / into bite-sized portions / praised for when you bow your head / in sweet devotion / cause everybody loves a thornless rose / but that’s not how they grow.“
Tara Nome Doyle übt sich in Selbstbeschränkung
Anders als auf Doyles früheren Platten, bei denen der Inhalt bisweilen wichtiger zu sein schien als die Form, gewinnt die Musik dieses Mal an Gewicht, und das, obwohl „Ekko“ durchaus auch als Übung in Selbstbeschränkung zu verstehen ist. Für ihre neuen Songs wählte Doyle einen bewusst minimalistischen Ansatz und konzentrierte sich bei ihrer Zusammenarbeit mit dem Grammy-prämierten Produzenten Simon Goff auf eine betont reduzierte Soundpalette. Organische und elektronische Elemente wie Klavier, Gitarre, Streicher, Mellotron und Synthesizer lässt sie dabei ähnlich beeindruckend zusammenfließen, wie das zuletzt der Amerikanerin Nandi Rose Plunkett alias Half Waif gelungen war. Über alledem schwebt erneut Doyles einnehmende Stimme, mit der sie, mal mit hauchzarter Sanftheit, mal mit fesselndem Falsettgesang, die emotionale Zerrissenheit, die in diesen Liedern steckt, mühelos in eine mitreißende Performance übersetzt.
Zwischen Kunst und Klarheit
Doch so kunst- und gedankenvoll diese Songs auch sein mögen – Tara Nome Doyle hat doch auch ein Faible für popmusikalische Klarheit. Selten braucht sie länger als drei Minuten, um auf den Punkt zu kommen, und auch wenn „Ekko“ von Anfang bis Ende kaum länger als 30 Minuten ist: Am Ende fühlt sich das Album dennoch an wie ein komplettes Statement.
„Ekko“ von Tara Nome Doyle erscheint am 11.04.2025 bei FatCat Records/Rough Trade. (Beitragsbild von Sonja Stadelmaier)





