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27. Mai 2026Mit „Love Myself“ liefert Tal Arditi Songs für stille Stunden, in denen man seinen Gedanken nachhängen oder überhaupt erst wieder welche zulassen möchte.
von Mia Lada-Klein
Tal Arditi veröffentlicht mit „Love Myself“ ein Album, das sich thematisch ungefähr dort bewegt, wo sich inzwischen gefühlt halb TikTok herumtreibt. Selbstliebe, Selbstzweifel, Älterwerden, Orientierungslosigkeit und die kleinen Krisen des Alltags. Also eigentlich genau die Themen, die Menschen beschäftigen, seit irgendjemand mal beschlossen hat, Gefühle in Songs zu packen.
Sommerfeeling
„Whatever You Want“ eröffnet die Platte und das mit entspanntem Indie-Pop, etwas Sommerfeeling und Gitarrenklängen, die sich so anfühlen wie ein halb leerer Eiskaffee auf dem Beifahrersitz. Das ist Musik für Nachmittage im Auto bei offenem Fenster, während man im Verkehr steht und so tut, als wäre das gerade ein Roadtrip durch Kalifornien und nicht die dritte rote Ampel in Folge.
Auch „In Between World“ bleibt dieser Stimmung treu. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Irgendwo zwischen Ankommen und Weglaufen, zwischen dazugehören und sich fremd fühlen. Ein Zustand, den vermutlich jeder kennt, der schon einmal nachts um zwei seine eigene Existenz hinterfragt hat, während im Hintergrund irgendeine Playlist mit traurigen Akustikgitarren lief. Keyboardflächen schweben dezent im Hintergrund und der Song lädt dazu ein, sich für dreieinhalb Minuten ein bisschen existentialistisch zu fühlen.
Tal Arditi als eine Art Milky Chance für die Generation Dauergrübeln
Die gesamte Platte bewegt sich musikalisch genau in dieser Ecke. Viel Akustikgitarre, leicht poppige Arrangements, verträumte Melodien und dieser gewisse Indie-Vibe, der an Milky Chance erinnert. Damals, als jeder zweite Mensch plötzlich barfuß auf Festivals zu seinen Songs tanzte. Allerdings: Tal Arditi liefert gute Songs, aber ohne den großen Hitmoment. Das klingt zunächst härter, als es gemeint ist. Denn „Love Myself“ will vielleicht gar kein Stadionalbum sein. Gemeint ist, dass die Tracks eher still in der Ecke sitzen, Tee trinken und darauf warten, dass man irgendwann freiwillig zu ihnen zurückkommt. Man könnte sich einige Tracks problemlos im Soundtrack eines Coming-of-Age-Films vorstellen. Die Szene, in der die Hauptfigur nachts allein durch die Stadt läuft, leicht traurig schaut und plötzlich erkennt, dass Erwachsensein vielleicht doch nicht so glamourös ist wie gedacht.
Tal Arditi: Der leise Abschluss funktioniert am besten
Der Titelsong „Love Myself“ beschließt das Album schließlich genau richtig. Reduziert, ruhig, fast zerbrechlich. Ein paar Beats wabern im Hintergrund, dazu Gitarre und Gesang. Mehr braucht der Song auch nicht. Vielleicht passt gerade deshalb die Platzierung am Ende so gut. Selbstliebe ist schließlich selten der Anfang der Geschichte. Meistens kommt sie erst nach all den Zweifeln, dem Chaos und den inneren Monologen um drei Uhr morgens.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt dennoch. Tal Arditi fehlt dieser eine Song, der wirklich hängen bleibt und alles überragt. Die Platte ist durchweg angenehm, aber ihr fehlt dieser mögliche virale Moment. „Love Myself“ ist einfach kein Album für die große Party oder das nächste Sommer-Festival. Sondern eines für diese stillen Stunden, in denen man einfach mal seine Gedanken sortieren möchte. Oder wenigstens so tun will. Einfach mal hinsetzen, die Tracks laufen lassen und schauen, was da eigentlich alles im Kopf herumspukt. Genau so funktioniert „Love Myself“ am besten. Nicht als große Hitmaschine, sondern als Platte für diese Momente zwischen Tagträumerei, leichtem Weltschmerz und dem Bedürfnis, sich einfach mal ein bisschen treiben zu lassen. Einfach mal ausprobieren.
Tal Arditi veröffentlicht „Love Myself“ am 29. Mai 2026 via Mouthwatering Records. (Beitragsbild Alicia Pfeifer)





