In seinem aktuellen Roman „No Way Home“ erzählt T.C. Boyle eine verhängnisvolle Dreiecksgeschichte aus Boulder City, Nevada.
von Gérard Otremba
Der amerikanische Autor T.C. Boyle bleibt sich treu und liefert Romane weiterhin wie am laufenden Band ab. Erneut nur zwei Jahre nach seinem letzten Werk „Blue Skies“ liegt nun „No Way Home“ in der Übersetzung von Dirk van Gunsteren vor. Und bei Vielschreibern muss und kann nicht jedes Buch immer das Beste sein. Auch nicht bei T.C. Boyle. Schlechtreden muss man „No Way Home“ allerdings nun auch wieder nicht. Boyle entwirft eine Dreiecksgeschichte, die an vielen Stellen sicherlich an Oberflächlichkeiten hängen bleibt, aber deshalb scheitert nicht der ganze Roman.
Von Los Angeles nach Boulder City
Der 31-jährige Assistenzarzt Terry aus Los Angeles erbt ein Haus seiner verstorbenen Mutter in Boulder City, Nevada. Dort lernt er die hübsche Bethany kennen, die sich nach einer gemeinsamen Nacht ohne Terrys Wissen in dessen neuem Eigenheim einquartiert. Wütend will Terry Bethany wieder rausschmeißen, verfällt jedoch erneut ihrem Charme. Bethany wiederum braucht eine Bleibe, nachdem sie sich von Jesse getrennt hat. Jesse, ein für Boyle typischer Vertreter der Rednecks und Lehrer für Achtklässler an der Highschool, stellt Beth weiter nach und kann einen gewissen Hang zu Gewalt nicht unterdrücken. Parallel zu seinen Eskapaden versucht er seiner Karriere als Schriftsteller samt Idee und Manuskript auf die Sprünge zu helfen. Erstaunlich, dass T.C. Boyle ausgerechnet dem sonst eher übel machohaft auftretenden Jesse eine feingeistige Ader zuspricht, aber vielleicht möchte der 76-jährige Autor auch unter den Wählern der Republikaner, zu der Jesse sicherlich gehört, noch nicht sämtliche Hoffnungen fahren lassen.
T.C. Boyle und die zwei Welten
Boyle lässt in „No Way Home“ die zwei amerikanischen Welten aufeinanderprallen: Auf der einen Seite der liberale, aufgeklärte Terry aus der Metropole L.A., der durchaus auch arrogant auf die Bewohner von Boulder City herabblickt; auf der anderen Seite der archaisch anmutende Jesse aus einem überschaubaren Kleinstädtchen, wo scheinbar die Welt noch in Ordnung ist. Sicherlich könnte man aus der derzeitigen gesellschaftlichen Spaltung der USA als Schriftsteller mit dem Format eines T.C. Boyle mehr herauszuholen. Aber dass Boyle seine Figuren – aus deren Perspektive er die Story abwechselnd erzählt – streckenweise klischeebehaftet als Stereotype zeichnet, liegt möglicherweise an realen Vorbildern. Die in ihrem Ehrgefühl beim Buhlen um die Gunst einer Frau vielleicht ähnlich gehandelt hätten wie Terry und Jesse, die nicht unversehrt aus der Sache rauskommen. Und die Auseinandersetzung zwischen den beiden so unterschiedlichen Streithähnen gestaltet Boyle bis zum Schluss spannend.
Von den letzten Boyle-Romanen waren „Hart auf Hart“ (2015)“ und „Blue Skies“ (2023) sicherlich von weitreichenderer Bedeutung. Eine unterhaltsame literarische Episode bleibt „No Way Home“ dennoch.
T.C. Boyle: „No Way Home“, Hanser, übersetzt von Dirk van Gunsteren, Hardcover, 384 Seiten, 978-3-446-28423-4, 28 Euro. (Beitragsbild von Peter-Andreas Hassepien)
