Swim Deep: There’s A Big Star Outside

Nach längerer Pause kehren Swim Deep mit ihrem vierten Album zurück. Dass das Comeback gelingt, hat sicher auch mit dem Produzenten der Band aus Birmingham zu tun.

von Werner Herpell

Obwohl es die britische Band Swim Deep aus Birmingham schon seit Anfang der 2010er Jahre gibt, hat sich ihr Ruf bisher nicht so recht über den Kanal hinweg verbreitet. Da hilft es doch sehr, wenn man das nun auch in Deutschland beworbene neue Album gleich mit drei tollen Indie-Softpop-Juwelen startet, die ins Ohr flutschen und mit Nachdruck zum Weiterhören auffordern. Der Opener „How Many Love Songs Have Died In Vegas?“ (was für ein schöner Titel schon mal) mit seinen filigranen Mellotron-Girlanden ist also der perfekte Einstieg, gefolgt vom tatsächlich himmlischen „Very Heaven“ und dem ebenso traumhaften „Don’t Make Me A Stranger“.

Songs mit hymnischer Grandezza

Swim Deep There's A Big Star Outside Cover

Der Rest des

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vierten Swim-Deep-Albums „There’s A Big Star Outside“ seit dem im UK recht erfolgreichen Debüt „Where The Heaven Are We“ (2013) kann diese Höhen dann zwar nicht mehr ganz erklimmen, fällt aber zum Glück nicht allzu krass ab. Auch diese acht Songs sind in ihrer hymnischen Grandezza irgendwo zwischen Snow Patrol, Nada Surf, Keane und Travis aller Ehren wert. Zumal mit Austin Williams ein Sänger vorne steht, dessen Chorknaben-Tenor perfekt zu den keyboard-gesättigten Schwelgereien von Swim Deep passt, deren Stil sich als Dreampop mit 80er-Touch (erinnert sich in diesem Zusammenhang noch jemand an die wunderbaren The Dream Academy?), an Nineties-Shoegaze und Psychedelia (im angerauten „First Song“) definieren lässt.

Dass die Platte so englisch melancholisch inklusive gewisser Merseyside-Aromen klingt, hat sicher mit dem Produzenten zu tun: Bill Ryder-Jones, der nicht nur Anfang des Jahres das fantastische Soloalbum „Iechyd Da“ herausbrachte, sondern kurz danach auch der Liverpooler Indiepop-Ikone Michael Head mit dessen Album „Loophole“ zu einer unverhofften, hochverdienten Charts-Überraschung verhalf. Der talentierte Musiker und Songwriter Ryder-Jones hat im Studio offenkundig ein Händchen für opulente, dabei jedoch nicht überladene Arrangements – im Fußball würde man sagen, dass er als Trainer jedes Team besser macht.

Swim Deep profitieren von Bill Ryder-Jones

Auch Swim Deep haben jetzt von diesem Coaching hörbar profitiert. Nach Umbesetzungen und dem gefloppten dritten Album „Emerald Classics“ (2019) war die Zukunft des Quintetts offen, nun sieht es wieder gut aus. Frontmann Williams sagt dazu: „Ich habe das Gefühl, dass es noch etwas zu erledigen gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich unseren Fans und dem, was Swim Deep ausmacht, verpflichtet bin (…). Ich möchte auf mein Leben zurückblicken und Swim-Deep Platten sehen.“ Für diesen langfristigen Vorsatz ist „There’s A Big Star Outside“ schon mal ein richtig guter Anfang.

Das Album „There’s A Big Star Outside“ von Swim Deep ist am 07.06.2024 bei Submarine Cat Records erschienen. (Beitragsbild von Steve Gullick)

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