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24. März 2026Im Rock’n’Roll-Jungbrunnen: Suzi Quatro gibt Vollgas auf dem Highway Richtung Freedom. Das Ergebnis ist überraschend gut.
von Sven Weiss
Ein neues Album von Suzi Quatro – ist das im Jahr 2026 überhaupt einer Nachricht wert? Die Zeiten, in denen ein solches Album der heiße Shit war, liegen schließlich ein halbes Jahrhundert zurück. Und die letzten Jahrzehnte hat die Gute hauptsächlich damit verbracht, ihre alten Hits auf Oldie-Festivals immer wieder aufzuwärmen. Dass sie sich dabei immer noch in ihr berühmtes enges Lederoutfit zwängt, kann man so (die Dame ist 75!!) oder so sehen. Dass es überhaupt noch passt, ist ja bereits aller Ehren wert. Die Frage, die sich nun stellt: Passt das Rock-Outfit auch noch im sprichwörtlichen Sinne? Kann Quatro ihre Spielart des Kick-Ass-Rock noch einigermaßen überzeugend rüberbringen – auch auf neuen Aufnahmen?
Voller Energie Richtung Freedom
„Freedom“ heißt das 19. Studioalbum der selbsternannten Grand Dame des Rock. Ein durchaus programmatischer Titel. Denn wenn man einmal da angekommen ist, wo sich Quatro nun in ihrer Karriere befindet – ja, was in aller Welt soll einen die Meinung auch nur von irgendwem kümmern? Also schnallt sich Suzi Quatro ihren E-Bass um, steigt auf ihren Chopper und macht sich auf den Highway Richtung „Freedom“. Und dabei scheint sie nur Vollgas zu kennen. Ein dreckiges Rock’n‘Roll-Riff eröffnet das Album und los geht’s! „It Sounds Like Freedom“ singt Quatro, und in dem Mitsingrefrain konzentriert sich bereits alles, was man wissen muss. Weiter geht’s mit dem Breitwand-Wüstenrocker „Little Miss Lovely“, bei dem Suzi Quatro sich die Seele aus dem Leib brüllt, dass es eine wahre Freude ist. Das Eröffnungsdoppel brezelt so dermaßen, dass man glatt nochmal nachrecherchieren muss: Ja, die Frau ist wirklich 75 Jahre alt!
Dafür dass die Aufnahmen so vor Energie strotzen, dürfte zu einem großen Teil Quatros Sohn L.R. Tuckey verantwortlich zeichnen, der bereits zum dritten Mal bei einem Album als Produzent, Co-Writer und Gitarrist in Erscheinung tritt. Tuckey verordnet seiner Mum eine Frischzellenkur mit einem zwar hochglanzpolierten, aber energetischen Powersound. Wäre das ganze Album auf dem Niveau der ersten beiden Songs, man müsste hier wohl von einer Sensation sprechen.
Suzi Quatro liefert ein klasse Rockalbum ab
Ganz so kommt es nicht. „Choose Yourself“ erinnert etwas irritierend an Robbie Wiliams’ Megahit „Let Me Entertain You“. Und wenn Quatro dem bluesigen “Hanging Over Me” noch eine Extraportion Dreck einimpfen will, überzeugt das nicht voll. Aber das sind nur kleine Makel. Nochmal: Die Frau ist 75 und – man darf es völlig ironiefrei sagen – liefert hier ein klasse Rockalbum ab.
Auf dem es durchaus noch einige Highlights zu entdecken gibt. Etwa den schwer-stampfenden Countryrocker „Can’t Let It Go“, die Stadionhymne „Nobody Held My Hand” oder das funkige “Shakedown”. Für den Rausschmeißer “Kick Out The Jams“ gesellt sich dann auch noch Alice Cooper höchstpersönlich mit ans Mikro. Die beiden rocken mit hörbarer Freude drauflos und zitieren dabei mit einem Augenzwinkern ihre größten Hits „Can The Can“ und „School’s Out“.
Keine Nostalgie: Suzi Quatro im Rock’n’Roll-Jungbrunnen
“Freedom” wird die Musikwelt nicht auf den Kopf stellen. Das Album wird ganz sicher nicht das neue It-Ding in der Generation Z. Aber es ist eben weit mehr als eine Nostalgieshow für die Kids der 70er, die sich mit leuchtenden Augen daran erinnern, wie sie in der Dorfdisko in ihren Schlaghosen über die Tanzfläche wirbelten und – zumindest die Jungs – von den engen Lederhosen Suzi Quatros träumten. “Freedom” ist ein Album voller richtig starker Rock-Hymnen, das Jahrzehnte jünger klingt als es sollte. Suzi Quatro scheint irgendwo einen Rock’n’Roll-Jungbrunnen gefunden zu haben. Das Ergebnis macht richtig Spaß. Respekt.
„Freedom“ von Suzi Quatro erscheint am 27.03.2026 bei Chrysalis Records. (Beitragsbild-Credit: Suzi Quatro)





