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11. Oktober 2024Neue Psychedelic-Folk-Rock-Pop-Offenbarung von Suzan Köcher’s Suprafon
von Gérard Otremba
Als Suzan Köcher’s Suprafon am zweiten Tag des Reeperbahn Festivals im Häkken auftraten (Sounds & Books berichtete) und einige Songs aus ihrem nun erscheinenden neuen Album spielten, war jedem bewusst, dass „In These Dying Time“ was Besonderes werden würde. Dabei hängen die Trauben bei Suzan Köcher und ihrer Band (Julian Müller an den Gitarren, Janis Rosanka am Bass und Dale Lohse am Schlagzeug) durchaus hoch. Wohin der Weg für die aus Solingen stammende Songwriterin führen könnte, war schon im Debüt „Moon Bordeaux“ angelegt. Den dort offenbarten Psychedelic-Folk-Rock-Pop brachte sie 2019 mit „Suprafon“ noch mehr zum Strahlen.
Hoffnung uns Schönheit
Fünf Jahre später erscheint nun also die mit neun neuen Songs überzeugende dritte Platte „In These Dying Times“. Dem Albumtitel liegt eine doppelte Tragik zugrunde. Suzan Köcher beschäftigt sich in ihren Texten u.a. mit einer durch Kriege, Lügen und Hass gespaltenen Gesellschaft und musste auf der Bühne stehend den islamistischen Anschlag in ihrer Heimatstadt Solingen erleben. Wenn ein Albumtitel von den negativen Seiten des Lebens ein- und überholt wird. Aber auch in diesen „Dying Times“ steckt Hoffnung und Schönheit und Suzan Köcher’s Suprafon liefern den Beweis. Bereits die erste, von uns zum Song des Tages gekürte Vorabsingle „Seventeen“ – ein Song über unerwiderte Liebe, Unsicherheit und Machtmissbrauch im Teenageralter – war mit seiner dreamy Westcoast-Pop-Ausrichtung der Marke Fleetwood Mac ein erstes fettes Ausrufezeichen.
Suzan Köcher‘ Suprafon und der Desert-Trip
Auch „Sleepless Strangers“ mit seiner Mischung aus Dream- und Sixties-Pop bot Anschauungsunterricht in Sachen Eleganz in der Popmusik. Die hier angedeutete Melancholie kommt später in „Camera“ und „Falling For Autumn“ noch stärker zum Ausdruck. Kosmische Synthiesounds prägen den das Album eröffnenden, schwungvollen Titeltrack, der die oben genannten schwierigen Themen behandelt und einem zum Schweben bringt. Zwischen bittersüß und pulsierender Bedrohlichkeit changiert „Maybe I’m A Lemon“, während „The Trip“ den Psychedelic-Rock in neue Dimensionen führt. Als ein funky Disco-Track entpuppt sich „Living In A Bad Place“ und im neunminütigen Closer „Desert Air Motel“ folgen wir Suzan Köcher’s Suprafon samt majestätisch-jazzigem Trompetenspiel auf einem Trip durch die texanische Wüste. Das, was der Gig auf dem Reeperbahn Festival versprach, löst dieses klasse Album auch ein.
„In These Dying Times“ von Suzan Köcher’s Suprafon erscheint am 11.10.2024 bei Unique Records. (Beitragsbild von Marla Steinweg)





