Suede: The Blue Hour – Albumreview

Suede: The Blue Hour  – Albumreview

Durch die Nacht mit Suede

Wer sonst würde aktuell ein Konzeptalbum über die blaue Stunde, also jene Zeit zwischen Tag und Nacht, veröffentlichen? Ein Album, in dem es um Dunkelheit, Angst und Albträume geht? Das düster, melancholisch, manchmal verstörend ist? Vermutlich niemand. Aber Suede gehen auch auf ihrem achten Release ihren eigenen Weg. Um Zeitgeist und Konventionen haben sie sich eh nie geschert. Das war auch zuletzt so, auf den beiden Vorgängern „Bloodsports“ und „Night Thougts“. „The Blue Hour“ aber, das laut Band den letzten Teil einer Trilogie darstellen soll, ist für den Hörer herausfordernder, sperriger. Denn diesmal orientieren sie sich an klassischer Musik aus dem 19. Jahrhundert und an frühen Soundtracks und Avantgarde-Einspielungen der 1960er Jahre.

Suede wagen große Gesten

Suede The Blue Hour Cover Warner MusicDas wird schon im Einstieg klar. „As One“ arbeitet mit Orchester und Carmina Burana-Chor. Darüber legt Brett Andersons seine bis dato theatralischste Gesangsperformance. Leichte Kost ist das nicht. Mit dem folgenden „Wastelands“ – einer klassischen Suede-Komposition mit Single-Potenzial – schenken sie dem irritierten Hörer eine Verschnaufpause, bevor ein Block aus „Mistress“, „Beyond The Outskirts“ und „Chalk Cirkle“ wieder an den Ernst des Projekts erinnern. Auch im weiteren Verlauf wechseln sich straighte Nummern („Cold Hands“, die tolle Vorab-Single „Life Is Golden“, „Tides“) mit psychedelisch-experimentellen Songs ab („Roadkill“, „Don’t Be Afraid If Nobody Loves You“). Auf „All The Wild Places“ singt Anderson nur in Begleitung eines Streichorchesters. Es sind intensive Songs, voller großer Gesten und bewegender Offenheit. Und Andersons Gesang wird einfach immer besser.

Ein großes Ganzes

14 Tracks sind auf „The Blue Hour“ vertreten, durch Interludes miteinander verknüpft zu einem großen Ganzen. Suede haben es sich diesmal nicht einfach gemacht. Doch sie scheitern nicht – im Gegenteil. Dass sie sich immer wieder neuen Aufgaben stellen und sich musikalisch entwickeln, ist der Unterschied zu den vielen anderen Bands, die sie im Laufe der Jahre hinter sich gelassen haben. Diese Songs gehören auf die Bühne, müssen laut in vollgepackten Sälen vorgetragen werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Die nächste Tour dürfte ein Triumphzug werden.

„The Blue Our“ von Suede erscheint am 21.09.2018 bei Warner Music (Beitragsbild: Albumcover).

Suede - Life Is Golden (video shot on location in Pripyat, near Chernobyl)

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