Sue Prideaux: Ich bin Dynamit – Das Leben des Friedrich Nietzsche

Sue Prideaux: Ich bin Dynamit – Das Leben des Friedrich Nietzsche

Einige interessante neue Erkenntnisse über Friedrich Nietzsche

„Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen – an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“ So schreibt Friedrich Nietzsche über sich selbst in Ecce Homo. Und in der Tat: Nietzsche, der von 1844 bis 1900 lebte, stellte die gängigen Vorstellungen vom Menschen, von Gott und der Moral infrage. Er zweifelte an Gut und Böse und sagte, dass der Mensch etwas sei, das überwunden werden müsse. Der Wissenschaft räumte er keinen größeren Rang ein als der Religion.

Die Stationen des Friedrich Nietzsche

Sue Prideaux Ich bin Dynamit Das Leben des Friedrich Nietzsche Cover Klett-Cotta

Gedanklicher Sprengstoff, das gilt für heute ebenso wie für damals. Die norwegisch-britische Schriftstellerin Sue Prideaux, die schon lesenswerte Biografien über Munch und Strindberg veröffentlicht hat, zeigt in „Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche“ den Lebensweg eines der einflussreichsten und sagenumwobensten Denkern der Menschheitsgeschichte nach. Sie berichtet über die christlichen Erziehung, vom unheimlichen Tod des Vaters, von düsteren Teenagerjahren. Das alles tut sie mit einer Detailkenntnis, die einem Nietzsche persönlich nahebringt. Wie er unter seiner eurologischen Konstitution leidet, wie er isoliert wird und wie der Wahnsinn ihn allmählich befällt.

Die ganze Wahrheit

Eben jener Wahnsinnsbefall hat lange Zeit die Frage offen gelassen, ob Nietzsches Idee des Übermenschen als genialer Wurf ernstzunehmen oder lediglich als Ausdruck eines kranken Geistes betrachtet werden müsse. Auch Prideaux hat darauf keine ultimative Antwort. Ihre Auseinandersetzung mit Leben und Werk Nietzsches stellt eher die Frage, warum nicht auch Wahnsinnige die Wahrheit sagen können sollten. „Ich bin Dynamit“ liefert gegenüber anderen in Deutschland erschienenen Büchern über Nietzsche (etwa das von Rüdiger Safranski) einige interessante neue Erkenntnisse. Der größte Verdienst ist wohl aber, dass es die Relevanz seiner Thesen für das Hier und Heute unterstreicht und somit die Erinnerung an ihn gewinnbringend auffrischt. Darauf dürfte Nietzsche, der mit 30 „nur einige wenige beachtete Texte und einen im Schwinden begriffenen Ruf als Philologenwunder vorzuweisen“ hatte, und der sich so sehr nach Erfolg und Anerkennung sehnte, selbst nicht gehofft haben.

Sue Prideaux: „Ich bin Dynamit – Das Leben des Friedrich Nietzsche“, Klett-Cotta, übersetzt von Thomas Pfeiffer und Hans-Peter Remmler, Hardcover, 560 Seiten, 978-3-608-98201-5, 26 €. (Beitragsbild: Buchcover)

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