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12. Februar 2024
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12. Februar 2024Unermüdlich hinterlässt Steve Hackett seit über 50 Jahren Spuren im Prog-Rock. Sein neues Album ist kürzer als viele frühere, aber nicht weniger eindrucksvoll.
von Werner Herpell
Seinen 74. Geburtstag feiert Steve Hackett am heutigen 12. Februar – einen Tag vor dem früheren Genesis-Kumpel Peter Gabriel, der die ikonische Progressive-Rock-Band schon ein paar Jahre vor ihm verließ. Dass die beiden Musiker altersmäßig so nah beieinander liegen, ist die eine Parallele – ihr kreativer Wagemut die andere. Denn wie Gabriel, der sich von Genesis auf deren künstlerischem Höhepunkt nach „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) verabschiedete, hielt es auch der Gitarist Hackett nicht mehr lange aus, als mit dem neuen Frontmann Phil Collins die Kommerzialisierung (manche sagen: Banalisierung) des Genesis-Sounds eintrat.
Ein auffällig kompaktes Hackett-Album
30 Soloalben
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hat der Brite nach offizieller Zählung seither vorgelegt, allein für die vergangenen zwölf Jahren listet seine Diskographie rund 15 Veröffentlichungen auf. Darunter oft Platten unter dem Titel „Genesis Revisited“ mit Live-Aufnahmen von Band-Klassikern, aber auch mehrere originäre Hackett-Werke. Zu diesen zählt nun auch „The Circus And The Nightwhale“, ein auffällig kompakter, das heißt selten ausufernder Longplayer (selbst der üppigste Song „Ghost Moon And Living Love“ bleibt klar unter sieben Minuten, drei Stücke kommen auf nicht einmal zwei Minuten Laufzeit).
Dennoch ist hier natürlich wieder wuchtiger, hochkompetenter Prog-Rock im weiteren Sinne zu hören, mit so manchem Blick über den stilistischen Tellerrrand wie bei Steve Hackett üblich. Immerhin hatte er sich schon 1970 für den Genesis-Job mit einem Inserat im „Melody Maker“ beworben, das so lautete: „Gitarrist/Songschreiber sucht aufgeschlossene Musiker, die gewillt sind, sich über existierende, stagnierende Musikformen hinwegzusetzen.“ Und das Überschreiten von Genre-Grenzen, in Richtung Blues, Hardrock, Jazz, Art-Pop oder Klassik, traut er sich nun auch wieder auf dem neuen Album. Einem Konzeptalbum zudem, in dessen Mittelpunkt eine Figur namens Travla steht.
Neue Song-Klassiker von Steve Hackett
Trotz dieses Überbaus haben die 13 Tracks für Hackett einen autobiografischen Hintergrund, wie er über das Album „The Circus…“ mitteilt. „Es sagt die Dinge, die ich schon seit langer Zeit sagen wollte“, fügt Hackett hinzu, ohne ins Detail zu gehen. Mit dem theatralischen Opener „People Of The Smoke“, dem bereits erwähnten „Ghost Moon…“ und dem anschließenden „Circo Inferno“ hat das Album mindestens drei Hackett-Klassiker zu bieten, die in künftigen Konzerten bejubelt werden dürften. Das düstere „All At Sea/Into The Nightwhale“ wäre auch auf dem Genesis-Highlight „The Lamb Lies Down On Broadway“ nicht unangenehm aufgefallen.
Der fleißige Steve Hackett
„The Circus And The Nightwhale“ folgt auf die Hackett-Alben „Under A Mediterranean Sky“ und „Surrender Of Silence“ mit eigenem Material, beide von 2021 und beide unter den Top 15 der Charts in Deutschland. Aufgenommen wurden die „Circus“-Songs zwischen den Tourneen 2022 und 2023 – dieser 70-plus-Musiker ist also weiterhin extrem fleißig. Neben Hackett an Gitarren, Mandoline, Mundharmonika, Percussion, Bass und Vocals umfasste die Studio-Band, neben einigen Gästen, folgende Instrumentalisten und Sänger: Roger King (Keyboards, orchestrale Arrangements), Rob Townsend (Saxophon), Jonas Reingold (Bass), Craig Blundell (Schlagzeug), Nad Sylvan und Amanda Lehmann (Gesang), sowie Steves Bruder John Hackett an der Flöte.
Fazit: Mit diesem starken neuen Album kann Steve Hackett zufrieden seinen 74. Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch an einen Prog-Rock-Gitarrenhelden!
Das Album „The Circus And The Nightwhale“ von Steve Hackett erscheint am 16.02.2024 bei Inside Out. (Beitragsbild von Tina Korhonen)





