
Mick Flannery: The House Must Win
22. Mai 2026
Olivia Rodrigo: The Cure – Song des Tages
23. Mai 2026Steve Hackett und seine Band begeistern das Publikum am 21.05.2026 in der Hamburger Laeiszhalle
Text und Fotos von Joaquin Alaaddin Avciogullari
Für Steve Hackett ist es schon lange Tradition, durch seine Genesis Revisited-Touren das großartige Repertoire der Band noch einmal für die Fans erfahrbar zu machen. Nachdem er die letzten paar Jahre erfolgreich mit seiner „Foxtrott At Fifty“ und der „Lamb Highlights“-Tour unterwegs war, ist das Motto dieses Mal „Best of Genesis“. Das Konzert beinhaltet traditionell zwei Sets, wobei das erste seine Solokarriere zusammenfasst und die zweite Hälfte seiner Schaffenszeit bei Genesis gewidmet ist. Begleitet wird Hackett durch seinen langjährigen Tour-Kollegen Nad Sylvan (Gesang), Rob Townsend (Flöte, Saxophon, Percussion) und seit 2019 Jonas Reingold (Bass). In der Besetzung finden sich zudem zwei Neuzugänge: Der schwedische Keyboarder Lalle Larsson, der Steve Hacketts langjährigen Studio-und Tour-Keyboarder Roger King ablöste, der sich Ende letzten Jahres in den Ruhestand begeben hat. Und der deutsche Schlagzeuger Felix Lehrmann, der den Schlagzeuger Craig Blundell ablöste.
Die Steve-Hackett-Songs
Das erste Set beginnt mit „The Devil’s Cathedral“, wobei die gewaltige Akustik, das Orgelspiel, die Dramatik des Stücks sowie die Lichtershow wie die Faust aufs Auge mit der Architektur des großen Saals verschmelzen und für eine gewaltige Gesamtatmosphäre sorgen. Im Anschluss geht es weiter mit dem Titel „Everyday“ von seinem dritten Album „Spectral Mornings“, der wohl zu einem seiner bekanntesten und erfolgreichsten Solotitel gehört. Im Anschluss geht es bis auf gelegentliche Gesangseinlagen Hacketts in eine längere instrumentale Phase, welche Sylvan nötige Zeit zum Schonen der Stimme gibt. Diese ist auch nötig, denn einer einzigartigen Stimme wie der eines Peter Gabriels angemessenen Tribut zu zollen, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Jedoch beweist Sylvan seit Jahren und auch fortlaufend, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist. Ohne wie ein billiger Versuch einer Kopie zu klingen schafft er es, die großen Klassiker hochkarätig zu präsentieren.
Die Genesis-Ära
Mit der im Vergleich zur Studioversion sehr langen Live-Version von „Camino Royale“ darf man neben Hacketts Gesangseinlage einen wunderbaren Mix aus Prog,-Jazz- und Fusion-Elemente genießen. Seine gekürzte Live-Version des Songs „Shadow Of The Hierophant“ beginnt mit einem in der Studioversion eigentlich erst später einsetzenden Solo, das manch einen eventuell leicht an Van Halens legendäre Nummer „Eruption“ erinnern mag. Nach einer Pause geht es im zweiten Set dann mit dem ersehnten Genesis-Katalog weiter, der mit „Dancing With The Moonlit Knight“ eröffnet wird, für den der Beifall sofort ohrenbetäubender ausfiel als so manche Saxophon-Soloeinlage aus dem ersten Set. Im Anschluss verbleiben Hackett und seine Kollegen auf dem Kultalbum „Selling England By The Pound“ und legen direkt mit „Cinema Show“ nach. Vermutlich einer der Titel, der Phil Collins‘ und Tony Banks‘ musikalischen Beiträge zur Band mit am besten zusammenfasst.
Supper’s Ready
Darauf folgt die Album-Coda „Aisle Of Plenty“, die das Leitmotiv aus „Dancing With The Moonlit Knight“ noch einmal aufgreift. Dass Besucher in Konzerthäusern und ruhige Stücke, vor allem Klavier-Solostücke wie Hund und Katz sind, ist bekannt. Somit kann auch Lalle Larsson während seines Solos dem plötzlichen Husten aus allen Ecken des Saals nicht entgehen, als würden die Besucher gezielt auf solche Momente warten. Glücklicherweise war die Musik dennoch laut genug, sodass diese im Vordergrund bleiben konnte. Vom Solo wird daraufhin der fließende Übergang zu „Firth Of Fifth“ geschaffen, dem wohl großartigsten und beliebtesten Beitrag Hacketts zur Genesis-Diskografie. Nachdem 23-minütigen Magnum Opus „Supper’s Ready“ gibt es noch zwei Zugaben von der Platte „A Trick Of the Tail“, der ersten Platte nach Peter Gabriels Ausstieg und dem Beginn der Phil-Collins-Ära.
Ein letztes Solo
Nach „Dance On A Volcano“ folgt ein letztes Solo durch Schlagzeuger Felix Lehrmann, das letztendlich in „Los Endos“ überleitet; dem letzten Stück des Abends, in dem auch Phil Collins‘ Stil heraussticht, den er in den 70ern in der Band Brand X an den Tag legte. Steve Hackett und seine Bandkollegen präsentieren mit ihrem musikalischen Können, einem sehr geschickten musikalischen Dialog, grandioser Akustik sowie einer fesselnden Lichtshow nach wie vor ein mehr als überzeugendes Gesamtprodukt, bei dem jeder Liebhaber der progressiven Genesis-Phase auf seine Kosten kommen dürfte. Es bleibt abzuwarten, mit welchem Repertoire uns Steve Hackett auf zukünftigen Touren noch überraschen wird.





























