Stars und Zeus live in Hamburg

Stars und Zeus live in Hamburg

70er-Rock und hymnischer Indie-Pop

von Gérard Otremba

Die aus Toronto stammende Band Zeus sammelt mit ihrem Auftritt im Vorprogramm von Stars brav Pluspunkte. Mit „Busting Visions“ legten die vier Herren dieses Jahr ihre zweite Platte vor, die sich mit ausgefallenen Arrangements den 60-er und 70er Jahre Rock-Pop einverleibt. Eine coole Mischung aus Beatles, The Band und Crosby, Stills, Nash & Young. Allerdings immer mit progressiven Elementen versehen. Vom Opener „Strong Mind“ bis zum abschließenden „Are You Gonna Waste My Time“ bleibt es auf der Bühne des Uebel & Gefährlich spannend. Nur Rob Drake bleibt bei seinen Drums, die Sänger und Instrumentalisten Mike O’Brien, Carlin Nicholson und Neil Quin wechseln sich ständig an Gesang, Keyboard, Bass und Gitarre ab. Tolle Songs, die auch in Deutschland eine Fangemeinde finden werden.

Stars und die Melancholie ihres Frontduos Amy Millan und Torquil Campbell

Die Band Stars aus Montreal muss man einfach lieben. Allein schon wegen dieses herrlichen Wechselgesangs zwischen Amy Millan und Torquil Campbell. Manchmal singen die beiden die Leadvocals auch gemeinsam und das ist nicht minder einnehmend. Immer wieder erstaunlich, wie Campbell sein äußeres Image eines alternden Soziologiestudenten (brillentechnisch geht er natürlich auch noch als Bruder Elvis Costellos durch) auf der Bühne in Dr. Jekyll und Mr. Hyde verwandelt. Beim dramatischen „Do You Want To Die Together“ aus dem neuen Album „The North“ flippt der Gute völlig aus, wie Rumpelstilzchen springt er umher, schreit sich die Seele aus dem Hals und zieht gar furchteinflößende, böse Grimassen, nur um im nachfolgenden „Soft Revolution“ seine Freude mit strahlendem Breitmaulfroschlächeln kundzutun. Allein Campbells Wechselbad der Gefühle ist den Besuch eines Stars-Konzertes wert. Als Gegenpol wirkt Amy Millan, die mit ihrer immer noch Kleinmädchenstimme verzaubert, wie zum Beispiel bei „Through The Mines“, wo sie in luftige Höhen entschwebt. Und „Lights Changing Colour“ haucht sie voller Sehnsucht ins Mikro, ein ebenso beeindruckender leiser Song wie früher am Abend bereits „The North“, den Torquil Campbell mit der nötigen, an Paddy McAloon von Prefab Sprout erinnernden Melancholie intoniert.

Stars zwischen Indie-Hymnen und Disco-Pop

Songs aus dem neuen Album stehen logischerweise im Mittelpunkt des gut eine Stunde und 45 Minuten dauernden Gigs im Uebel & Gefährlich. Breite, von Chris Seligman inszenierte Keyboardflächen, ein fetter Disco-Drum-Sound des Schlagzeugers Pat McGee sowie der treibende Bass von Evan Cranley eröffnen den Abend, „The Theory Of Relativity“ donnert los, Eighties orientiert, aber lässig und cool. Der Wechselgesang von Campbell und Millan hält einen sofort gefangen. Schönster Gitarren-Indie-Pop folgt mit „Fixed“ und so geht das immer schön weiter, die Keyboard- und Gitarrenmittelpunktabwechslung. „Ageless Beauty“ herrlicher Smiths-Schrammelpop und „We Don’t Want Your Body“ schräger Disco-Pop. “Midnight Coward”, “Your Ex-Lover Is Dead” und „Dead Hearts“ leben wieder vom Wechselgesang der kanadischen Fixsterne, während „Backlines“ fast etwas schüchtern wirkt. Ganz im Gegensatz zu „Elevator Love Letter“ und „Take Me To The Riot“, die als die Indie-Hymnen abgefeiert werden, die sie auch sind. Das wunderschöne „Walls“ beschließt das Konzert und weil das Hamburger Publikum so ausdauernd und hartnäckig ist, bequemen sich die hell glänzenden Stars nach „The 400“ zum ersten Mal auf dieser Tour zu einer weiteren Zugabe, die mit „Calender Girl“ (zweifellos eines ihrer entzückendsten und wundervollsten Songs) nicht schöner ausfallen kann. Zum wahrscheinlich zehnten Mal bedankt sich Torquil Campbell bei den Gästen für das Kommen und wir wissen, er meint es ehrlich. Beim nächsten Mal sind wir gerne wieder dabei.

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