Stars live im Hamburger Knust – Konzertreview

Stars live im Hamburger Knust – Konzertreview

Der Kniefall des Torquil Campbell

Text und Fotos von Gérard Otremba

Nach gut einer Stunde Spielzeit sinkt Stars-Sänger Torquil Campbell auf die Knie. Der famose Indie-Rock-Song „Trap Door“ vom neuen Album No One Is Lost nähert sich just dem Ende. Es mag bereits Erschöpfung sein, schließlich wuselt Torquil Campbell seit 60 Minuten die Bühne auf und ab, oder wahrscheinlich ein Zeichen der absoluten Hingabe Campbells an seine Musik und deren Live-Darbietung im Hamburger Knust. Auf jeden Fall verrät es die Intensität, mit der Campbell, Sängerin und Gitarristin Amy Millan, Keyboarder Chris Seligman, Bassist Evan Cranley, Gitarrist Chris McCarron und Schlagzeuger Patrick McGee das Konzert vom 21.01.2015 in Hamburg zelebrieren.

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Bevor jedoch das kanadische Sextett seinen Auftritt absolviert, betritt das Berliner Trio Children die Bühne im Knust. Keyboarderin Steffi Tesch, Gitarrist André Heldt sowie Laura Daedelow an Bass und Flöte präsentieren Songs ihres letzten September veröffentlichten Debütalbums Leaving Home, die sich zwischen Dream-Pop und Electro-Indie-Pop bewegen, getragen von den zarten Gesängen der beiden jungen Damen. Der Sound mal verträumt-fragil, mal groovy und tanzbar, eine hoffnungsvolle, seit vier Jahren musizierende Band.

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Die in Montreal lebenden Stars rahmen ihren 90-minütigen Auftritt mit zwei Club-Dance-Songs vom 2014 erschienenen, letzten Longplayer ein, beginnend mit dem euphorischen Disco-Party-Kracher „From The Night“ und endend mit dem fast funky zu bezeichnenden Titeltrack „No One Is Lost“. Dazwischen liegen temperamentvolle eineinhalb Stunden, die natürlich von den Songs des neuen Albums geprägt sind, von den bereits genannten abgesehen, ragen unbedingt „Turn It Up“, das hymnische „This Is The Last Time“ (hat das Zeug zu einem Bandklassiker) und das mit voller Power intonierte „Are You OK?“ heraus. Ruhe gönnen sich Stars wenig, erst mit dem von Amy Millan als „German Lovesong“ angekündigte „Look Away“ und dem anschließenden „Dead Hearts“ kommt romantische Stimmung auf, während „Ageless Beauty“, „We Don’t Want Your Body“ „ „Backlines“, „A Song Is A Weapon“ und „“Hold On When You Get Love And Let Go When You Give It“ im klassischen Indie-Pop-Format triumphieren und zwischen melancholischer Sehnsucht und treibender Euphorie changieren.

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Ähnlich wie beim letzten Hamburg-Konzert von Stars im Dezember 2012 im Uebel & Gefährlich baut sich die Dramaturgie des Auftritts nach „Trap Door“ über das in einer Dark-Wave-Orgie und an The Cure erinnernde „One More Night“ über „Elevator Love Letters“ hin zum fabulösen „Take Me To The Riot“ auf, bei dem der Himmel explodiert und alle Sterne strahlend funkeln, einer der besten und hymnischsten Indie-Pop-Songs aller Zeiten. „Your Ex-Lover Is Dead“ beruhigt die Gemüter wieder, das Publikum darf die letzten Zeilen allein singen, danach geht es mit „Are You Ok?“ und „No One Is Lost“ ins große Finale. Nach der ersten Zugabe „What Is To Be Done?“ kehrt Amy Millan mit Gitarrist Chris McCarron zurück auf die Bühne und haucht zum endgültigen Abschluss eine entzückende Version von „My Favourite Book“. Herz, was willst du mehr?

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