St. Vincent: Daddy’s Home – Albumreview

St. Vincent: Daddy’s Home – Albumreview

Annie Clark, aka St. Vincent, bleibt auch mit ihrem sechsten Album „Daddy’s Home“ eine der faszinierendsten Gegenwartsmusikerinnen

Nachdem ihr Vater 2010 wegen eines schweren Wirtschaftsdelikts zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ging es mit der Karriere von Annie Clark, alias St. Vincent, bergauf. Auf ihrem ein Jahr später veröffentlichten dritten Album „Strange Mercy“ verarbeitete Clark dieses Dilemma und schaffte den Sprung in die Top-20 der Billboard-Charts. Für den 2014 erschienenen selbstbetitelten Nachfolger erhielt sie einen Grammy für das „Best Alternative Album“ und ihr letzter Longplayer „Masseducation“ erreichte Top-Ten-Platzierungen in den USA und Großbritannien. Zudem kooperierte sie mit David Byrne und trat mit Rest-Nirvana bei deren Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame sowie mit Dua Lipa auf bei den Grammy-Awards 2019 auf.

St. Vincent taucht in die 70er-Jahre ab

St. Vincent Daddys Home Cover Loma Vista Recordings

In diesem Jahr wurde auch ihr Vater aus dem Gefängnis entlassen und Clark begann mit dem Schreiben neuer Songs. Wie bereits bei „Masseducation“ arbeitete St. Vincent erneut mit Produzent Jack Antonoff (Lana Del Rey, Taylor Swift) zusammen. In den elf neuen Songs katapultiert uns die 1982 in Oklahoma geborene Musikerin in die Pop-Welt der Früh-Siebziger-Jahre. Steely Dan, Sly & The Family Stone, Stevie Wonder, Pink Floyd, David Bowie, Lou Reed und Joni Mitchell heißen die Referenzen für den Sound auf „Daddy’s Home“. Der Opener „Pay Your Way In Pain“ überfällt die Hörer als abgefahrener Funk mit fetten Synth-Riffs, als ob Prince eine Allianz mit den Eurythmics eingegangen wäre. Annie Clark gab im Verlauf ihrer Karriere immer wieder die sperrige Art-Pop-Rock-Künstlerin. Auf ihrem sechsten Album verfällt sie zwar nach wie vor in diese, ihre musikalische DNA, verzaubert aber auch mit feinsinnigen Melodien und einer Menge Soul.

Zwischen Beatles und Pink Floyd

In der psychedelischen Sechs-Minuten-Ballade „Live In The Dream“ bringt die 38-Jährige die Beatles der „Abbey Road“-Phase mit Pink Floyd der „Dark Side Of The Moon“-Zeit zusammen, der wohl spektakulärste Song des Albums. Das soulige „Down And Out Downtown“ glänzt mit Sitar-Klängen und entfaltet eine ähnliche Anmut wie das ebenfalls im Soul, Gospel sowie Rock wildernde „The Melting Of The Sun“, in dem Clark über Künstlerinnen singt, die sich in ihrem männerdominierten Umfeld durchsetzen. Mit dem größtmöglichen St. Vincent-Pop-Appeal ausgestattet ist das hymnische „My Baby Wants A Baby“ und mit der schmachtenden Seventies-Songwriter-Pop-Ballade „Candy Darling“ verabschiedet sich Annie Clark für dieses Mal. Nach wie vor bleibt St. Vincent eine der faszinierendsten Musikerinnen der Gegenwart.

„Daddy’s Home“ von St. Vincent erscheint am 14.05.2021 bei Loma Vista Recordings / Virgin Music. (Beitragsbild von Zackary Michael) 

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