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27. März 2026Er lebt in Nashville, hat seine Britfolk-Roots aber weiterhin fest im Blick: Spencer Cullum gelingt mit „Coin Collection 3“ ein Karriere-Highlight.
von Werner Herpell
Erst vor gut einem Jahr tauchte Spencer Cullum prominent in einer Sounds & Books-Review auf – allerdings nicht mit einem Soloalbum, sondern als Mitglied der „Supergroup“ Echolalia, deren selbstbetiteltes Debüt wir als „eines der entspanntesten, unmittelbar bezauberndsten Americana-Werke dieses Jahres“ lobten. Nun lässt uns der in Nashville/Tennessee ansässige Brite seine feine, fragile Stimme und sein brillantes Pedal-Steel- und Akustikgitarren-Spiel erneut hören.
Musikalische Verbindung zur englischen Heimat
Und zwar mit dem Abschluss der „Coin Collection“-Trilogie, die er 2021 begonnen und 2023 fortgesetzt hatte. Das Etikett „Americana“ für besagtes Band-Album „Echolalia“ (2025) deutet schon an, dass es stilistisch in die nordamerikanische Folk-Richtung ging. „Coin Collection 3“ dagegen orientiert sich eher an Cullums Vorbildern aus dem britischen Sixties- und Seventies-Folk, hier und da gepaart mit Jazz-Elementen. An genialen Musikern wie Bert Jansch, Nick Drake oder Richard Thompson, an legendären Bands wie Pentangle oder Fairport Convention, um nur mal ein paar Referenz-Namen einzustreuen.
Das Werk sei geprägt vom „Bedürfnis nach einer Verbindung zu seiner Heimat und den Einflüssen, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist“, heißt es auf Spencers Bandcamp-Seite. Also eine Art „back to the roots“, was bei Cullum heißt: zurück zu den Britfolk-Wurzeln. Der Singer-Songwriter und Gitarrist „fand Trost – ja sogar Antworten – in den okkult angehauchten Erzählungen von alten Relikten und Mitternachtsriten, statt in den extrem christlichen Ansichten, die seine Wahlheimat im amerikanischen Süden oft verzerren. (…) Getragen von einer Ehrfurcht vor der Natur – ja, fast schon einer Furcht vor ihr – boten diese Geschichten Cullum ein Ventil, durch das er seiner Frustration über die moderne Welt Ausdruck verleihen und eine gerechtere Welt jenseits des Hier und Jetzt erschaffen konnte.“
Willkommener Seelenbalsam von Spencer Cullum
So tragen Songs wie „Rowan Tree“, „Jackie Paints“ (über seine als Malerin tätige Mutter in England), „Gavon’s Eve“ oder „Old Paul Hill“, teilweise garniert mit ätherischen Flöten (Jim Hoke) und hauchzarten Klavier-Klängen neben den obligatorischen Cullum-Gitarren, etwas Archaisches, Magisches und zugleich sehr Beruhigendes in sich. Als „eine Art Heilmittel für die Realität“ bezeichnet die Album-PR diese neun Tracks (Top-Anspieltipp: das traumhaft schöne „Don’t Go Downtown“), die auf subtile Weise als Seelenbalsam dienen können. „Ich versuche, mir sehr bewusst zu sein, nicht zu politisch zu werden“, sagt Cullum. „Aber es gibt eine große Sorge darüber, wie wir Menschen und die Erde behandeln.“
Zugleich gebe es auf „Coin Collection 3“ eben auch „Lieder darüber, wie glücklich ich mit meinem Leben bin, hier in diesem Garten mit meiner Frau und meinen Hunden zu leben und diese Gemeinschaft zu haben, die uns hilft“. Fazit: Mit dem Abschluss seiner ambitionierten Trilogie, diesmal begleitet von befreundeten Künstlern wie Erin Rae und Oisin Leech (Vocals), Allison De Groot (Banjo) und dem schon erwähnten Flötisten Hoke, gelingt Spencer Cullum sein Opus magnum als Solomusiker.
Das Album „Coin Collection 3“ von Spencer Cullum ist am 27.03.2026 bei Full Time Hobby erschienen. (Beitragsbild von Rebecca Moon)





