SoKo: I Thought I Was An Alien

SoKo: I Thought I Was An Alien

Lo-Fi-Indie und Riot-Girl

von Gérard Otremba

soko

Selbstverständlich hat hier keine Sonderkommission, weder aus Leipzig, noch aus München, eine CD aufgenommen, auch wenn hier zu Lande die Abkürzung „Soko“ eben jene impliziert. Vielmehr steckt hinter diesem Moniker die französische Musikerin Stephanie Sokolinski. Bereits vor fünf Jahren baute sich die 1986 in Bordeaux geborene Sängerin mit ihrem herrlich offenen, ironisch-bösen Song „I’ll Kill Her“ via Internet eine Fanbasis auf.

Soko verbindet Lo-Fi-Indie-Ästhetik mit Riot-Girl-Attitüde

Und natürlich hat „I’ll Kill Her“ diesen umwerfenden Indie-Charme, die unaufgeregt-lakonischen Gitarren, Sokos englischer Sprechgesang mit französischem Akzent, ihre ausgeprägte Mädchenhaftigkeit gepaart mit Riot-Girl-Untertönen. Von dieser Lo-Fi-Indie-Ästhetik ist auch ihr Debüt-Album „I Thought I Was An Alien“ geprägt. Sehr spacig, mit leicht verhalltem Gesang, einem stupenden Drumbeat und fremdartiger Geräuschkulisse beginnt die Platte mit „I Just Want To Make It New With You“. Auch der Titelsong „I Thought I Was An Alien“ wird von diversen sphärischen Geräuschen begleitet, jedoch schiebt sich eine akustische Gitarre i den Vordergrund und auch die Vocals von Stephanie Sokolinski sind nun deutlicher zu verstehen. „Alien Noises: Jherek Bishoff“ entwickelt sich zu einem verträumten, fast hippieesk anmutenden Kleinod, während „We Might Be Dead By Tomorrow“ durch zarte Streicher sowie Sokos zerbrechlichen Gesang überzeugt.

Stephanie Sokolinski auf den Spuren von Lana Del Rey

Begleitet von einer akustischen Gitarre wird Stephanie Sokolinskis Gesang bei „No More Home, No More Love“ immer trauriger und noch eindringlicher versteht sie ihre Stimme in „For Marlon“ einzusetzen. Sokos Flüstern animiert zum sofortigen Zuhören, die Akustische zirpt im Hintergrund, sehr meditativ und einnehmend. Mit „First Love Never Die“ gelingt Soko ein wirklich wunderbarer charmanter Popsong. Getragen vom Piano und einer verspielten Gitarre, mit überraschenden Tempi- und Rhythmuswechsel versehen und einer leisen Fanfarentrompete abschließend spielt Stephanie Sokolinski in der Liga von Lana Del Rey, nur eine Spur verträumter. Das nachfolgende „Treat Your Woman Right“ gehört ebenfalls zu den Highlights des Albums. Hier spinnt Soko eine gespenstisch dichte Atmosphäre mit sanften Keyboardteppichen, der begleitenden akustischen Gitarre und dem punktuell eingesetzten Schlagwerk. „How Are you“ wird dann konsequenterweise mit Streichern untermalt, watteweich und entrückt. Aus allen Wolken gerissen wird man dann plötzlich durch ein krachendes Schlagzeug und Gitarrenriffs bei „Don’t You Touch Me“.

Traumhafte Klanglandschaften und das Erbe von Leonard Cohen

Opulent und gleichzeitig verletzlich erklingt „Destruction Of The Disgusting Ugly Hate“, definitiv eine radiotaugliche Single-Nummer. Zurück zu traumhaften Klanglandschaften findet Soko in „Happy Hippie Birthday“ und für „I’ve Been Alone Too Long“ entpuppt sich Stephanie Sokolinski endgültig als musikalische Enkelin von Leonard Cohen. Große Songwriterkunst. „Why Don’t You Eat Me Now You Can“ hört sich aber schon mehr nach Lückenfüller an und „You Have A Power On Me“ verliert sich in postpubertärer Spielerei. Trübt dann ein wenig den guten Gesamteindruck, den „I Thought I Was An Alien“ von Soko letztendlich hinterläßt.

„I Thought I Was An Alien“ von Soko ist am 2.3.2012 bei Warner erschienen.

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