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26. März 2026Nach fünf Jahren Abstinenz zeigt sich Snail Mail gereift und mit neuem Soundbild
von Sven Weiss
„Ich bade nicht mehr in meiner eigenen Qual“, sagt Lindsey Jordan alias Snail Mail und gibt damit die Ausrichtung ihres neuen Albums „Ricochet“ vor. Es ist das dritte Album von Snail Mail, ganze fünf Jahre sind seit dem Vorgänger „Valentine“ ins Land gegangen. Fünf Jahre sind eine Ewigkeit, wenn man, wie Lindsey Jordan, Anfang Zwanzig ist. Ein Zeitraum, in den so manch andere komplette Popstarkarriere passt.
Es ist natürlich einiges passiert in der Zwischenzeit. Jordan zog aus ihrer Heimat New York weg, beschäftigte sich viel mit Kunst und übernahm eine Rolle in einem Indie-Horrorfilm. Vor allem aber musste sie sich wegen Stimmpolypen operieren lassen und eine Sprachtherapie machen. Laut eigener Aussage ging sie daraus als selbstbewusstere Sängerin hervor. Und tatsächlich klingt Jordan, bzw. ihre Songs auf „Ricochet“ sehr lässig, sehr souverän.
Snail Mail mit luftigem Breitwandsound
Das dürfte allerdings verschiedenste Gründe haben. So ist Jordan mittlerweile 26. Dass sie mit der 18-Jährigen, die das famose Debüt „Lush“ eingespielt hat, nur noch bedingt zu tun hat, liegt in der Natur der Sache. Auch die hervorragende Produktion trägt zu dem gereiften Gesamtbild bei. Jordan hat die Zeit genutzt, um sich zu entwickeln, und macht nun einen deutlich hörbaren Entwicklungssprung.
Die Songs bekommen einen Breitwandsound verpasst mit barocken Streichern, Keyboards und vielspurigen Gitarren. Dabei beschwört Jordan die warmen Klänge des schwelgerischen 90er-Alternative-Rocks herauf: die Smashing Pumpkins in ihren sonnigsten Momenten, Anklänge an den Shoegazesound von Bands wie Catherine Wheel. In anderen Momenten klingt sie wieder wie die weibliche Version der Foo Fighters mit ihren poppigeren Songs.
Weg von der eigenen Qual: Auf „Ricochet“ bleiben die Themen dunkel
Vor allem aber gelingt das Kunststück, die Songs trotz der üppigen Instrumentierung immer luftig zu halten. Im Video zur Single „My Maker“ fliegt Jordan in einem Heißluftballon über eine Wüstenlandschaft. Es ist das perfekte Bild für den Sound von „Ricochet“. Vielleicht mag der eine oder andere den rauen Charme der ersten Alben vermissen, wird aber zugeben müssen, dass auch das Songwriting sich weiterentwickelt hat. Zum Positiven.
So luftig die Musik, so schwermütig sind die Themen – auch wenn sie nicht mehr so persönlich sind. So beschäftigt sich Jordan mit Dingen, die sie zuvor eher verdrängt hatte, etwa mit dem Tod und der Frage nach dem Danach. Die elf Songs sind geprägt von der Angst davor, dem Leben beim Entgleiten zuzusehen. „Ricochet“ ist also ein Album über die Erkenntnis – und die Akzeptanz – dessen, dass sich die Welt weiterdreht. Egal was gerade im eigenen kleinen Orbit passiert.
„Ricochet“ von Snail Mail erscheint am 27.03.2026 bei Matador Records /Beggars. (Beitragsbild von Daria Kobayashi Ritch)





