Slowdive: Slowdive – Album Review

Slowdive: Slowdive – Album Review

Bemerkenswertes Comeback-Album der britischen Shoegaze-Helden

Sie waren nur für eine sehr kurze Zeitspanne zusammen aktiv. Zu Beginn der 90er machten Slowdive das sogenannte Shoegaze-Genre berühmt, besonders ihr zweites, 1993 veröffentlichtes Werk Souvlaki, eins von insgesamt drei eingespielten Alben, ist an Könnerschaft nicht zu überbieten. Nur zwei Jahre später kam das Aus für das fünfköpfige Kollektiv aus Reading, nachdem ihr Label Creation Records keine Zukunft mehr für Slowdive gesehen hatte. Lärmender Grunge und Angeber-Britpop degradierten den filigran vor sich her träumenden Shoegaze-Pop zum Nischendasein, die Slowdive-Stimmen Neil Halstead und Rachel Goswell formierten alsbald die Folk-Pop-Band Mojave 3. Im Jahre 2014 starteten Slowdive eine Reunion mit diversen Festival-Auftritten, die Möglichkeit eines neuen Albums zog die Formation in Betracht.

Sounds & Books_Slowdive_CoverDas Ergebnis ist das vierte, selbstbetitelte Slowdive-Album und es klingt, als wären die letzten 20 Jahre spurlos an ihnen vorbeigehuscht. Slowdive ist Rückbesinnung auf und Wiederentdeckung eines Musikstils, der nie ganz weg war und sich hervorragend für jedweden Eskapismus eignet. Acht Tracks von bis zu acht Minuten Länge finden auf Slowdive ihren Platz. Das Album beginnt mit dem schwebenden „Slomo“, ein versponnener, sanftmütiger und inniger Dream-Pop-Song, der von Halsteads und Goswells verhallt-ätherischen Stimmen, sich ausbreitenden Synthieflächen und verspult-spacigen Gitarrenläufen. Bereits in diesen ersten sieben Minuten ist man gefangen im sphärischen Slowdive-Kosmos, der einen natürlich auch im folgenden „Star Roving“ fesselt, ein gitarrengetriebener New Wave-Monstertrack und in einer anderen, weil besseren Welt ein veritabler Hit.

Das herrlich wirbelnde „Don’t Know Why“ macht einen ganz wuschig und verströmt trotzdem eine herzzerreißende Sehnsuchtsatmosphäre. „Sugar For The Pill“ dann durch den Orbit kreisende Melancholie pur, und Rachel Goswells Gesang geht im euphorischen „Everyone Knows“ nahezu völlig unter. Aber das ist überhaupt nicht schlimm, denn die Texte versteht man meistens auch bei den anderen Songs so gut wie gar nicht, der Intensität der Musik tut dies keinen Abbruch. Nicht im zwischen intimer Romantik und opulenter Weitschweifigkeit changierenden „No Longer Making Time“, nicht im undergroundlastigen „Go Get It“ und nicht im abschließenden, pianobetonten und hypnotischen „Falling Ashes“.  Nach zwei Dekaden gelingt Slowdive ein bemerkenswertes Comeback-Album.

„Slowdive“ von Slowdive ist am 05.05.2017 bei Dead Oceans erschienen (Beitragsbild: Ingrid Pop).

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