Sleaford Mods: Spare Ribs – Albumreview

Sleaford Mods: Spare Ribs – Albumreview

Die britischen Electro-Punks Sleaford Mods schreiben ihre Erfolgsgeschichte weiter

Der Erfolg von Sleaford Mods mag auf den ersten Blick überraschen. Die kantigen, in ihrem Sound doch stark limitierten, Instrumentals und der dauerwütende Fluchvortrag zu ungemütlichen Themen haben so gar nicht gemein mit den vorherrschenden Hörgewohnheiten und der um sich greifenden Inszenierung des schönen Lebens breiter Massen. Vielleicht ist es aber genau das, was das Duo aus Nottingham so beliebt macht. Ihre Fuck it-Attitude und ihre unverbiegbare Authentizität, die eben nicht behauptet, sondern konsequent gelebt ist.

Sleaford Mods bellen ihre Wut heraus

Sleaford Mods Spare Ribs Albumcover Rough Trade

„Spare Ribs“ ist bereits das elfte (!) Studio-Album der Elektro-Punks und es schreibt diese Erfolgsgeschichte mühelos weiter. Thematisch bot das Jahr 2020 dem Duo reichlich Futter. Schon der Albumtitel ist eine Anspielung auf den Umgang einiger britischer Eliten mit der Corona-Pandemie, die wirtschaftliche Interessen vor den Schutz der Bevölkerung stellen. „Wir sind Vieh, man wirft uns in dem Moment weg, in dem eine fabrizierte oder nicht fabrizierte Krise die Produktivität gefährdet. Das ist immer so, und während der aktuellen Pandemie wird es offensichtlich“, sagt Sänger Jason Williamson. Seine Wortsalven sind auf „Spare Ribs“ entsprechend extrahart – sowohl in dem sich düster dahinschleppenden „Out There“ wie auch in den tanzbareren Uptempo-Nummern wie „Top Room“ oder „Thick Ear“.

So wichtig wie nie

Schlichte, eingängige Bassfiguren sind nach wie vor das musikalische Fundament der Sleaford Mods-Formel, die ihren Hobyykeller-Charme auch hier beibehalten haben. Hin und wieder gibt es aber auch neue Sounds. In „I Don’t Rate You“ und „Elocution“ (Anspieltipp!) zum Beispiel kommen Synthie-Hooks zum Einsatz und das abschließende „Fishcakes“, auf dem Williamson mehr singt als flucht, kommt einem Pop-Song näher als das meiste, was das Duo bislang veröffentlicht hat. Ebenfalls neu: Die erste Single „Mork n Mindy“ ist ein Duett mit der britischen Newcomerin Billy Nomates. Auf einem weiteren Track singt Amy Taylor, Sängerin der australischen Punkband Amyl & The Sniffers, mit.

Grandiose Kampfansage

Thematisch handelt die Platte, die in gerade einmal drei Wochen während des Lockdowns aufgenommen wurde, vom Versagen des politischen Establishments. Insgesamt ist „Spare Ribs“ eine Wucht von einem Album, eine Kampfansage und ein Weckruf einer Band, deren Selbstverständnis und -bewusstsein über die Jahre gewachsen ist. Eine ebenso wütende wie wichtige Platte. Grandios!

„Spare Ribs“ von Sleaford Mods erscheint am 15.01.2021 bei Rough Trade Records / Beggars Group / Indigo. (Beitragsbild: Albumcover)

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