Siv Jakobsen: A Temporary Soothing

Siv Jakobsen: A Temporary Soothing

Betörende, traurig-schöne Lieder der norwegischen Songwriterin Siv Jakobsen

Drei Jahre nach „The Nordic Mellow“ meldet sich Siv Jakobsen zurück. Die norwegische Songwriterin trat mit ihrem 2017 veröffentlichten und bei Sounds & Books besprochenen Debüt gleich mal in die Fußstapfen ihrer großartigen britischen Kollegin Laura Marling und trat als Support für Bear’s Den, Benjamin Francis Leftwich und Damien Jurado auf. Intensive und traurig-schöne Lieder stehen auch auf dem Nachfolger „A Temporary Soothing“ im Mittelpunkt. Die an Joni Mitchell geschulte Stimme Jakobsens berührt und betört erneut, der Sound des Zweitwerks hat sich indes nuanciert verändert.

Siv Jakobsen und die Aura des Würdevollen

Siv Jakobsen A Temporary Soothing Cover

Immer noch ist die Musik von Siv Jakobsen dem Indie-Folk zuzurechnen, der diesmal zwischen Celtic-Folk, Ambient und Indie-Pop changiert. Besänftigende, ruhige, gleichmäßig dahinfließende, mithin anmutige Musik. Sogar das mit einem vorsichtigen Upbeat und mehr Groove versehene „Island“ fällt nicht wirklich aus dem vorgegebenen Rahmen. Man fühlt sich geborgen im manchmal dezent cineastischen Sound wie im Opener „Fear The Fear“, der nach sachtem Beginn ein aufbrausendes, orchestrales Ende findet. Doch nur selten wird es annähernd stürmisch auf „A Temporary Soothing“. Wie auch, bei dieser Albumtitelvorgabe? In ihren poetischen Texten verarbeitet sie Ängste und Zweifel, die in ihrer Stimme wie ein Wiegenlied widerhallen. Musik für gedimmtes (Kerzen)Licht. Durchaus strahlend und perkussiv geschüttelt in „Fight Or Flight“, oder verhalten majestätisch getragen in „Shine“. In welcher Form auch immer Siv Jakobsen ihre Songs arrangiert, stets obliegt ihnen die Aura des Würdevollen.

Schöne Musik, nicht nur für einsame Herzen

Ob im sinisteren, mit Streichern verzierten „A Feeling Felt Or A Feeling Made“, oder im schwermütigen und doch leuchtenden „Fraud, Failure“. Die zwölf von Chris Bond (Ben Howard) produzierten Songs verströmen zwar die Atmosphäre der Einsamkeit und Verlassenheit, vermögen aber zu trösten und zu wärmen. Als schönstes Beispiel dient hier „From Morning Made To Evening Laid“, das einen mit seiner entrückten Verlorenheit umarmt. Und „Only Life“ assoziiert in seiner sparsamen Instrumentierung dann auch wieder die bereits erwähnte Laura Marling. Am Ende huldigt Jakobsen im versöhnlichen, von Streichern dominierten und mit einem Chor aufwartenden „I Call It Love“ der Liebe. Und alles ist gut. Schöne Musik, nicht nur für einsame Herzen.

„A Temporary Soothing“ von Siv Jakobsen ist am 21.08.2020 bei U OK? / Rough Trade. (Beitragsbild: Albumcover)            

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