Simon Beckett: Verwesung

Simon Beckett: Verwesung

Irre Spannung

von Gérard Otremba

Wie selbstverständlich erklomm „Verwesung“ von Simon Beckett bereits in der ersten Verkaufswoche die Spitzenposition der Spiegel-Bestseller-Liste. Der nunmehr vierte Kriminalroman um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter erfreut sich bei den Thriller-Lesern also ebenso großer Beliebtheit wie seine drei Vorgänger.

David Hunter und die unerfreuliche Vergangenheit

Simon Beckett schickt seine Leser in den ersten Kapiteln von „Verwesung“ in die Vergangenheit von David Hunter. Zu diesem Zeitpunkt sind seine Frau und seine Tochter noch am Leben und Dr. Hunter wird zu einem Fall in Dartmoor hinzugezogen. Dort hat das Grauen einen Namen und heißt Jerome Monk. Ein typischer Außenseiter, ein „Monster“ von Mensch, von hoher und massiger Statur, leicht deformierten Schädel- und Gesichtszügen, alles andere als ein erfreulicher äußerlicher Anblick. Drei junge Frauen werden bereits vermisst und beim Angriff auf eine vierte Frau wird Jerome Monk gefasst und gesteht die anderen Morde, ohne die Orte zu verraten, an denen die Leichen begraben sind. Nachdem Monk doch zur Kooperation bereit zu sein scheint, gehört Dr. David Hunter ins Team einer Suchaktion, die im Fiasko für die ermittelnde Polizei endet und keinerlei Leichen zu Tage fördert. Ganz außerdem erfährt der Leser die Hintergründe über den tödlichen Unfall von Dr. Hunters Frau und Tochter.

Das „Monster“ Jerome Monk kehrt zurück

Acht Jahre später gelingt Jerome Monk die Flucht aus dem Gefängnis. Zeitgleich melden sich sowohl Detective Terry Conners, ehemaliger Freund Hunters und damaliger Leiter der Suchaktion, als auch Sophie Keller, eine Art Profilerin, die ebenfalls an der Suche nach den toten Frauen beteiligt war, bei David Hunter. Und so werden die Protagonisten von damals von der Vergangenheit wieder eingeholt. Nachdem Hunter einem Treffen mit Sophie Keller einwilligt und nach Dartmoor fährt, findet er diese überfallen in ihrem Haus vor. Die Panik greift wieder um sich, zumal kurze Zeit später ein weiteres Mitglied des Suchteams sogar tot aufgefunden wird. Ist es die perfide Rache des Jerome Monk?

Simon Beckett hält auch mit „Verwesung“ sein Spannungs-Niveau

Nach „Chemie des Todes“, „Kalte Asche“ und „Leichenblässe“ hält Simon Beckett den Leser auch in seinem vierten Thriller „Verwesung“ in atemloser Spannung. Trotz der immer sehr düsteren Sujets entwickelt Beckett die schriftstellerische Gabe, seine Leserschaft zu unterhalten. Durch die Ich-Perspektive Dr. Hunters vermittelt Beckett seine Romaninhalte immer nur bruchstückhaft und einseitig. Da David Hunter der ermittelnden Polizei nur hilft, wird er, und somit auch der Leser, in deren Aktivitäten nicht eingeweiht. Somit bleibt vieles im Verborgenen und der Leser partizipiert an den melancholischen und philosophischen Ansichten David Hunters über Leben und Tod. Dass dieser wiederholt in brenzlige Situationen gerät versteht sich von selbst, Beckett-Leser sind es gewohnt. Und dass nicht immer alles so ist, wie es scheint, zeigt häufig das Leben selbst und dieser Thriller auf jeden Fall. Beste Krimi-Unterhaltung.

Simon Beckett: „Verwesung“, Wunderlich Verlag, 448 Seiten, Hardcover, 22,95 Euro

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