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10. Dezember 2025Aus dem Nachlass: Mit „Abschied“ hat Sebastian Haffner ein neues Kleinod der deutschen Literatur geschrieben
von Gérard Otremba
Mit seinen Büchern „Anmerkungen zu Hitler“ (1978), „Von Bismarck zu Hitler“ (1987) sowie dem posthum im Jahr 2000 veröffentlichten „Geschichte eines Deutschen“ hat sich Sebastian Haffner in das deutsche Gedächtnis geschrieben. Der 1907 in Berlin geborene und ebenda 1999 verstorbene Publizist und Journalist begann seine Schreibkarriere indes mit literarischen Ambitionen. Zwar studierte Haffner – damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Raimund Pretzel, sein Pseudonym Sebastian Haffner gab er sich während seiner Exilzeit in Großbritannien – die Rechtswissenschaft, veröffentlichte aber schon 1929 „Die Tochter“ als Fortsetzungsroman in einer Hamburger Zeitung.
Das Paris der frühen 1930er-Jahre
Seinen zweiten Roman „Abschied“ fand man erst im Nachlass. Glücklicher Umstand für alle, die nun in den Lektüregenuss dieses feinen Romans kommen. In „Abschied“ führt uns Sebastian Haffner in das Paris der frühen 1930er-Jahre. Raimund ist für zwei Wochen von Berlin in die französische Hauptstadt gereist, um seine Angebetete Teddy zu besuchen. Die ihr Pariser Bohème-Leben genießt, umgeben von weiteren dort gestrandeten, höchst unterschiedlichen Charakteren. Sebastian Haffner hat den novellenartigen Roman im Herbst 1932 in nur gut fünf Wochen niedergeschrieben und erzählt die Liebesgeschichte zwischen Raimund und Teddy in einem überaus charmanten Stil. Auch die Leichtigkeit des Lebens fängt er bravourös ein. In der jedoch das drohende Unheil aus Deutschland immer wieder mitschwingt. In einem Dialog zwischen Raimund und Teddy bemerkt der Besucher: „Du hast Angst vor Berlin.“ Teddys Antwort besteht aus einem einzigen Wort: „Ja.“
Sebastian Haffner verabschiedet die Freiheit
Sie hat Deutschland schon verlassen und ahnt die anstehende Gefahr aus ihrer Heimat, die Raimund in der letzten Konsequenz noch nicht ganz wahrhaben möchte. Die beiden erleben noch einen gemeinsamen Tag in Paris, klappern noch einige Sehenswürdigkeiten ab, bevor am Abend Raimunds Zug nach Berlin fährt. Der Abschied auf dem Bahnhof markiert nicht nur die wieder einsetzende örtliche Distanz, es scheint auch ein Adieu für die Beziehung der beiden zu sein. Ganz gewiss indes verabschiedet Sebastian Haffner mit dieser Szene die Freiheit und das entstandene kulturelle Aufleben in den 20ern des letzten Jahrhunderts. Sein Roman glänzt auf jeden Fall mit unterhaltsamen Dialogen und einer das Leben feiernden, temporeichen Sprache. Mithin ein schwärmerischer Roman und ein neues Kleinod der deutschen Literatur.
Sebastian Haffner: „Abschied“, Hanser, Hardcover, 192 Seiten, mit einem Nachwort von Volker Weidermann, 24 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)





