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26. September 2025Eine stille Offenbarung über Schmerz, Mut und das Erwachsenwerden – Das Romandebut von Seán Hewitt geht unter die Haut
von Sebastian Meißner
Dem Dorf und der vorbestimmten Verkümmerung entkommen, es anders als die Eltern machen, lebendig sein, die Liebe finden, sich selbst finden: So oder so ähnlich lassen sich die Stationen vieler Adoleszenzromane zusammenfassen. Sean Hewitts „Öffnet sich der Himmel“ macht da keine Ausnahme. Und doch ragt dieser Roman aus der langen Tradition dieses Genres weiter als andere heraus. Denn dem Autor gelingt es, eine derart dringliche Sprache zu verwenden, die keine Silbe verschwendet und trotzdem eine erstaunliche Feinfühligkeit für den inneren Dialog seines Protagonisten James zeigt, dass immer wieder Sätze entstehen, die sich tief eingraben.
Seán Hewitt schreibt berührend und messerscharf
Hinzu kommt: Seán Hewitt scheut sich nicht davor, Gefühle in ihrer ganzen Rohheit zu zeigen: Unsicherheit, Sehnsucht, Verletzlichkeit, aber auch stille Stärke, die im Verlauf der Handlung immer wieder nach vorne drängt. Genau diese ungeschönte Darstellung von Emotionen verleiht dem Text eine Authentizität, die man selten findet, und öffnet den Raum für Austausch: über Zugehörigkeit, Identität und die fragile Kunst des Erwachsenwerdens.
Bei Hewitts Protagonist James ist es Thornmere im Norden Englands, aus dem er fliehen will. Doch dann trifft er auf Luke. Die Dramaturgie des Romans arbeitet mit einem behutsamen, aber eindringlichen Spannungsbogen: Kleine Entscheidungen, scheinbar unwichtige Begegnungen und schicksalhafte Wendungen verweben sich zu einer Lebensgeschichte, die alles in sich trägt, aus dem das Leben besteht. Besonders beeindruckend ist Seán Hewitts Fähigkeit, intime Räume sichtbar zu machen. Stilistisch glänzt Hewitt durch atmosphärische Dichte und präzise, teils lyrische Bilder, die die innere Auflösung des Protagonisten nachvollziehbar machen. Hier kommt Hewitts Vergangenheit als preisgekrönter Lyriker zum Vorschein.
Starkes Debut
Am Ende kommt hier alles anders als vermutet. Alles in allem ist „Öffnet sich der Himmel“ ein wirklich starkes Romandebut. Seán Hewitt gelingt es, die Leserinnen und Leser zu berühren, zu erinnern und zu ermutigen.
Seán Hewitt: „Öffnet sich der Himmel“, Suhrkamp Verlag, übersetzt von Stephan Kleiner, Hardcover, 283 Seiten, 978-3-518-43257-0, 25 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)





