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15. April 2026Sarah Lesch macht keine Ansagen, stellt keine Parolen auf und sucht keine einfachen Antworten. Stattdessen bleibt sie bei Beobachtungen, Gefühlen und Momenten und erzählt ihre Geschichten poetisch, begleitet von ihrer Gitarre.
von Mia Lada-Klein
Seit über zehn Jahren steht Sarah Lesch für handgemachte Musik und Texte, die mehr wollen als nur hübsch klingen. „Poesie & Widerstand“ heißt ihr neues Album und selten hat ein Titel so wenig Interpretationsspielraum gelassen. Irgendwo zwischen Suzanne Vega und Tanita Tikaram lässt sich Sarah Lesch verorten, nur mit mehr direkter Kante. Dass sie trotzdem noch nicht die Reichweite dieser Namen hat, sagt vermutlich mehr über den Musikbetrieb als über ihre Qualität.
Sarah Lesch: Widerstand mit Akustikgitarre
Der Opener „Plädoyer“ setzt direkt ein klares Statement. Gitarre, ein Hauch Country, dazu ein poetischer, aber klarer Aufruf zum Widerstand gegen Manipulation und Unterdrückung. Das große Wort wird hier nicht gebrüllt, sondern ruhig ausgesprochen, was es fast noch eindringlicher macht. Gemeinschaft statt Chaos, Liebe statt Gewalt, klingt simpel, fühlt sich aber gerade deshalb fast radikal an.
Mit „Gebet“ wird es leiser und persönlicher. Die Stimme von Lesch wirkt heller, verletzlicher, stellenweise erinnert das an Jewel. Inhaltlich ist es ein fast kindliches Gebet voller kleiner Wünsche: zwei Menschen, ein Moment, der bitte ungestört bleiben soll. Nähe wird hier nicht gefeiert, sondern vorsichtig beschützt.
Zwischen Ironie und Abgrund
„Dalai Lama“ bringt eine überraschende Schärfe ins Spiel. Zwischen absurden Bildern und unterschwelliger Ironie steht eine ziemlich klare Aussage: Selbst wenn alles auseinanderfällt, bleiben Musik und Liebe übrig. Musikalisch erinnert der Track im ersten Moment an „Wie soll ein Mensch das ertragen“ von Philipp Poisel, der Eindruck verfliegt jedoch schnell wieder.
„Die allerschönste Frau der Stadt“ schlägt eine ganz andere Richtung ein. Hier zeigt Lesch Humor und zwar nicht zu knapp. Ein leicht souliger Sound trifft auf eine Figur, die sich selbst so sehr inszeniert, dass es schon wieder weh tut. Überzeichnung als Stilmittel, Kritik an Oberflächlichkeit und Selbstvermarktung inklusive.
Leiser Abschied, laute Wirkung bei Sarah Lesch
Zum Ende hin zieht sich das Album dann wieder zurück. „Ich kenne einen Ort“ ist kein großes Finale, sondern ein stiller Rückzugsraum. Ein Ort ohne Schuld, ohne Bewertung, ohne Lärm. Es geht ums Loslassen, um Frieden, vielleicht auch um ein Wiedersehen, irgendwann. Lesch verabschiedet sich leise und fast beiläufig.
„Poesie & Widerstand“ ist kein Album, das laut sein muss, um gehört zu werden. Es schreit nicht, es drängt sich nicht auf, aber es bleibt. Zwischen all dem Chaos erinnert Sarah Lesch daran, dass Musik, Poesie und ein bisschen Trotz manchmal schon reichen. Kein Revolutionsaufruf, eher ein leiser Gegenentwurf.
Sarah Lesch veröffentlicht ihr Album „Poesie & Widerstand“ am 20.04.2026 via Listenrecords. (Beitragsbild von Sandra Ludewig)





