Ryan Adams: Wednesdays – Albumreview

Ryan Adams: Wednesdays – Albumreview

Ryan Adams kehrt auf „Wednesdays“ mit fragil-anmutigen Americana-Songs zurück

Natürlich bleibt nun in der Berichterstattung über Ryan Adams immer auch die unschöne Seite des Musikers im Hinterkopf hängen. Die Vorwürfe seiner Ex-Frau Mandy Moore und einiger Musikerinnen hinsichtlich sexueller Belästigung und psychischer Unterdrückung kamen 2019 auf und erschütterten die Fans. Es gab zwar weder eine Anklage noch eine Verurteilung, aber immerhin eine Entschuldigung des Indie-Rock-Musikers. Die Veröffentlichung des bereits angekündigten Albums „Big Colors“ wurde zunächst ausgesetzt und soll mit einem weiteren noch in diesem Jahr folgen und eine vor zwei Jahren angedachte Trilogie vervollständigen.

Ryan Adams evoziert Neil Young

Ryan Adams Wednesdays Cover Pax Americana

Dem nicht akzeptablen Verhalten steht die Person des grandiosen Musikers Ryan Adams gegenüber, der uns mit „Heartbreaker“, „Gold“ und „Cold Roses“ mindestens drei Meistwerke und zahlreiche weitere ganz hervorragende Platten schenkte. Um eine weitere ganz hervorragende Platte handelt es sich zweifellos auch bei „Wednesdays“, seinem nunmehr 17. Album. Die elf in New York geschriebenen und in Los Angeles von Adams, Beatriz Artola und Don Was produzierten Songs zeigen den 46-Jährigen mal wieder als behutsamen und gefühlvollen Singer-Songwriter. Mit dem von uns bereits als Song des Tages vorgestellten und den Neil Young der „Harvest“-Phase evozierenden „I’m Sorry And I Love You“ beginnt der neue Reigen, in dem Adams erneut barmt und fleht und schwelgt wie kaum ein anderer Indie-Songwriter seiner Generation – von Conor Oberst mal abgesehen. Anmutige, auf akustische Gitarre und Piano basierte, dezent instrumentierte Americana-Folk-Songs bringt uns Adams zu Gehör.

Die Bob-Dylan-Qualität von „Blood On The Tracks“

Er singt über die Leere nach einer Trennung, singt über seine Dämonen, Ängste, Träume und Erinnerungen. Und das tut er mal wieder außerordentlich gut. Der Titeltrack „Wednesdays“ hat die Bob-Dylan-Qualität von „Blood On the Tracks“, während „Birmingham“ als einziger Song im vollen Rock-Bandsound samt Orgel jubiliert und sich zwischen Tom Petty und Bruce Springsteen einfindet. Und wenn „So, Anyways“ dann mit einer einsamen Mundharmonika beginnt, ist es natürlich längst um uns geschehen. Nicht verwunderlich bei so edlen Songs wie „Who Is Going To Love Me Now, If Not You“ oder „When You Cross Over“. Falsches männliches Verhalten gegenüber Frauen muss man anprangern, keine Frage. Eine neue Chance als Musiker darf man Ryan Adams aber ebenfalls zugestehen. Und die hat er mit „Wednesdays“ bravourös genutzt. Anmutige Americana-Songs eines immer noch großartigen Songwriters.

„Wednesdays“ von Ryan Adams erscheint am 19.03.2021 bei Pax Americana / Rough Trade. (Beitragsbild von Eric Ryan Anderson) 

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