Robert M. Zoske: Sophie Scholl – Es reut mich nichts

Robert M. Zoske: Sophie Scholl – Es reut mich nichts

Eine würdevolle Erinnerung an Sophie Scholl von Robert M. Zoske

Am 9. Mai diesen Jahres wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Um ihre Lebensgeschichte auch einer jüngeren Generation nahezubringen, haben BR und SWR Sophie Scholl bei Instagram angemeldet. Dargestellt von Luna Wendler filmte sie ihr Leben, teilte Fotos, Zeichnungen, Dokumente und schrieb über ihre Gedanken und Gefühle. Der Kanal „@ichbinsophiescholl“ dokumentierte auf diese Weise die letzten zehn Monate im Leben der Münchner Studentin, bevor sie wegen ihres Widerstands gegen die Nationalsozialisten am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde.

Wertvolle Einblicke

Robert M. Zoske Sophie Scholl Cover Propyläen Verlag

Die Faszination hält an. Wie kaum eine andere Person steht Scholl für den Kampf gegen die Nazis. Ihr Todesmut hat sich in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Doch hinter dieser Legende droht die Person Sophie Scholl fast zu verschwinden. Robert M. Zoske, evangelischer Theologe und Historiker der Weißen Rose, der über Hans Scholl promovierte, gibt uns mit „Sophie Scholl: Es reut mich nichts – Porträt einer Widerständigen“ interessante und wertvolle Einblicke in die Biografie der Widerstandskämpferin. Dafür nutzt er auch bislang unveröffentlichtes Quellenmaterial. Das Ergebnis ist rund 450 Seiten stark (davon alleine 120 Seiten Quellenverzeichnis).

Mit großer Achtung vor Sophie Scholl

Beeindruckend ist an diesem Buch aber nicht nur seine hohe Informationsdichte. Zoske versteht es, die Fakten in unaufdringlicher Weise in eine flüssige Erzählung einzubinden. So hält er die Konzentration der Leserinnen durchgängig hoch. Mit feinem Gespür für den Zeitgeist und mit spürbar großer Achtung vor Sophie Scholl legt Zoske familiäre Zusammenhänge und innere Konflikte in ihrer Biografie offen. Das hilft dabei, besser zu verstehen, wie sich Scholl aus ihrer persönlichen Entwicklung heraus vom Nationalsozialismus befreite. Wie ihre ehemalige Begeisterung für den „Bund Deutscher Mädel“ abnahm und sie als Studentin Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ in München wurde.

Eine würdevolle Erinnerung an eine mutige junge Frau

Angereichert mit zahlreichen, zum Teil seltenen Fotos bietet dieses Buch eine würdevolle Erinnerung an diese mutige junge Frau. Das Projekt „@ichbinsophiescholl“ hat gezeigt, dass diese Geschichte noch immer junge Erwachsene fesselt. Wer aber mehr wissen und die Umstände genauer begreifen möchte, ist mit diesem Buch bestens beraten. Ihr oder ihm wird dann auch auch die völlige Absurdität der Wahlplakate der AfD von 2017 klar, auf denen die Partei mit dem Slogan „Sophie Scholl würde AfD wählen“ warb oder die Aussagen einer gewissen Jana aus Kassel auf einer „Querdenken“-Demonstration, die sich mit Scholl verglich.

Robert M. Zoske: „Sophie Scholl: Es reut mich nichts – Porträt einer Widerständigen“ , Propyläen, Hardcover, 448 Seiten, 978-3-549-10018-9, 24 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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