RIN: Eros – Album Review

RIN: Eros – Album Review

 

Der Vibe ist alles

RIN ist aktuell DER Deutschrap-Hype. Punkt. Selbst die Feuilletonisten im Spiegel und in der Zeit philosophieren über das künstlerische Werk des Newcomers, während er auf dem Splash die Massen zum Ausrasten bringt. Dafür brauchte er bisher nicht einmal ein Album. Nach der EP „Genesis“ kommt jetzt mit „Eros“ der erste Longplayer des Rappers aus Bietigheim-Bissingen. Kann die Platte dem erdrückenden Hype um seine Person standhalten?

Sounds & Books_RIN_Eros_CoverWer zunächst wirklich konzentriert auf die Texte hört, verharrt irgendwo zwischen Stirnrunzeln und Kopfschütteln. Grammatikfehler, pausenloses Namedropping einiger Marken (Supreme!), angetrunkene Liebesgeständnisse, Lust, Wiederholungen – vieles ist mehr Gestammel als ein durchgängiger Text. Wenn er singt wie sie im Bett „Arrêté“ schreit oder unbedingt einen „Molly in ihrem Drink“ will, gehen die Texte sogar in Richtung beängstigend. Je häufiger man das Album aber durchhört, desto mehr wird klar, dass der Text doch zwei Funktionen hat und erfüllt: Emotion und Bindung.

Für RIN steht der Vibe über allem. Hören wir nicht mehr so genau hin, treten die belanglosen Worte in den Hintergrund und man nimmt nur noch die Emotionen wahr, die RIN in seine Stücke steckt. Ob Sehnsucht, Wut auf das gedrosselte Internet oder Lust, jede Emotion ist glaubwürdig. Selbst was man selbst nicht nachvollziehen kann, wirkt bei RIN authentisch. Dazu die ausnahmslos gelungenen Beats und die Möglichkeit der Beteiligung. Wo die Massen mitsingen können, egal wie belanglos und platt die Texte, können sie selbst noch schneller eintauchen. „Eros“ überträgt am Ende eigentlich weniger Inhalt, sondern mehr Gefühle. Gefühle, die all die 90er und 00er-Jahrgänge kennen und die RIN so zum Phänomen erheben.

„Eros“ von RIN ist am 01.09.2017 bei Division Recordings erschienen.

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