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26. Januar 2026Keine Show, kein Pathos. Reverend Stomp liefern mit „Mescalero Ranger“ Musik, die hängen bleibt und ehrlich gesagt viel zu gut ist für den Geheimtipp-Status.
von Mia Lada-Klein
Das Wahl-Wiener Quartett Reverend Stomp macht es einem wirklich leicht, sie zu mögen. Niemand versucht hier, mit dem Presslufthammer Aufmerksamkeit zu erzwingen. Stattdessen schieben sie einem lässig einen Drink rüber, lehnen sich zurück und sagen: Setz dich, hör zu, wir haben Zeit. Ihr selbsternannter Stil „Swamp Surf“ ist eine Mischung aus Swamp-Blues, Surf-Rock und Garage und beschreibt ziemlich präzise, was Reverend Stomp hier vorlegen: staubige Sounds, sonnenwarme Gitarren und eine angenehm unaufgeregte Retro-Haltung.
Reverend Stomp: Zwischen Fernweh und Barhocker
Der Opener „Honeymoon Is Over“ setzt den Ton: leicht bluesig, offen, mit dieser Weite im Sound, die an endlose Highways und Hippie-Freedom-Fantasien erinnert. Alles wirkt smooth, fast urlaubstauglich. Reverend Stomp drücken nicht aufs Tempo, sie lassen laufen und genau das zieht sich als roter Faden durch das Album.
Früh zeigt sich dann ein erstes echtes Ausrufezeichen: „Hydra“ tänzelt mit einem charmant tappenden Cha-Cha-Cha-Beat um die Ecke, ein Chor summt im Hintergrund, die Gitarre klimpert leicht verzerrt vor sich hin. Erwähnenswert ist auch die Stimme von Sänger Christoph Mooser. Sie ist zentral für den Sound von Reverend Stomp: rau, kontrolliert, ohne jede Pose, technisch sicher und mit Gespür für Atmosphäre.
Stimme, Staub und Melancholie
Mit „Rest For My Bones“ wird es schwerer und melancholischer, der Song trägt einen dezenten Grunge-Unterton. Die bluesige Gitarre flackert auf und verschwindet wieder, Moosers Stimme gibt dem Song aber sein eigentliches Profil. Die Stücke würden alle auch ohne ihn funktionieren, mit ihm aber bekommen sie ein eigenes Gepräge.
„Oh Boy“ kommt als akustisches Intermezzo daher: Gitarrengeklimper, ein Schellenkranz, Kneipenatmosphäre. Ein Song, der perfekt funktioniert, wenn die ersten Gäste kommen oder die letzten gehen. Der titelgebende Track „Mescalero Ranger“ überrascht dann mit Sixties-Film-Flair und Tanzbarkeit. Kurz droht es zu süß zu werden, doch Reverend Stomp ziehen rechtzeitig die Handbremse, also keine Kreuzfahrtband beim Buffet, keine musikalische Zuckerwatte.
Reverend Stomp: Kein Geheimtipp mehr, bitte!
„Leaves“ schließt das Album ruhig und konsequent: akustisch gehalten, mit leicht nasalem Gesang und einem unaufdringlichen Klavier im Hintergrund. Kein überambitionierter Rausschmeißer, sondern ein kontrollierter Abschluss, der den Flow nicht stört, eine Qualität, die man nicht hoch genug bewerten kann, wenn man die Neigung mancher Künstler kennt, am Ende noch einen künstlichen Wow-Moment erzwingen zu wollen und damit rückwirkend mehr zu beschädigen als aufzuwerten.
Reverend Stomp sind keine Band, die die Musikwelt erschüttert. Müssen sie auch nicht. Sie liefern souveränes, eigenständiges Material, das hängen bleibt, ohne sich aufzudrängen. Für den Geheimtipp-Status sind sie längst zu gut. Höchste Zeit, dass sie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.
Reverend Stomp veröffentlichen „Mescalero Ranger“ am 30. Januar 2026 via LasVegas Records. (Beitragsbild von Johannes Wimmer)





