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7. April 2026Remote Bondage legen mit „Good Girl“ ein Debüt vor, das grinst und gleichzeitig austeilt. Punk, bissiger Humor und genug Reibung, um garantiert nicht everybody’s darling zu sein.
von Mia Lada-Klein
Mit „Good Girl“ servieren Remote Bondage aus Berlin ein Debüt, das so tut, als würde es artig anklopfen, nur um die Tür Sekunden später mit dem Bass einzutreten. Der titelgebende Opener „Good Girl“ legt direkt los wie ein schlecht gelaunter Türsteher mit Herz für Rebellion. Markanter Bass, rotziger Rockansatz und ein Text, der das brave Mädchen mit Anlauf in die Hölle schickt.
Bass, Biss und ein bisschen Blasphemie
„Alle leben schneller“ drückt dann beherzt aufs Gaspedal und liefert eine Pop-Punk Nummer, die den Zeitgeist eher verprügelt als umarmt. Wieder treibt der Bass das Ganze vor sich her, als hätte er die alleinige Verantwortung für den Puls dieser Platte. „Ich hab dich so lieb“ gibt sich zunächst als niedliches Liebeslied, entpuppt sich aber schnell als frech grinsender Kommentar mit einer guten Portion Würze. Romantik, aber bitte mit Seitenhieb.
Spätestens bei „Ode an die Periode“ und „Marie durch den Zyklus ging“ wird unmissverständlich klar, dass sich Remote Bondage lieber an Reibung als an Relevanzarmut abarbeitet. Zwischen Humor, Punk und FLINTA-Empowerment wird hier nicht lange gefackelt, sondern gezielt gegen patriarchale Selbstverständlichkeiten ausgeteilt. Feinfühligkeit steht dabei eher auf der Ersatzbank. Aber warum um den heißen Brei tanzen, wenn man ihn auch einfach umwerfen kann.
Remote Bondage zwischen totem Hund und Fahrstuhlmusik
Mit „Nintendo DS </3“ wird es überraschend melancholisch. Eine fast balladeske Nummer über einen toten Hund, die genau die richtige Menge Tragik und Ironie balanciert. „WG“ hingegen klingt ein bisschen wie Fahrstuhlmusik auf Klassenfahrt in die Karibik und nimmt das Zusammenleben als Wohngemeinschaft genüsslich auseinander.
„Madonna vs. Britney“ mit NIKRA wirft kurz vor Abschluss noch die ganz großen Popfragen in den Raum und hat dann die Chuzpe, sich einfach nicht festzulegen, sondern grinsend beides zu nehmen. Zum Schluss schlendert „Als wäre es egal“ etwas entspannter durchs Bild, dreht die Lautstärke etwas runter und zeigt, dass Remote Bondage auch mal leiser und braver können.
Unterm Strich ist „Good Girl“ ein Debüt, das angenehm aneckt. Irgendwo zwischen Zweiraumwohnung und Shirley Holmes, mit kleinen musikalischen Spielereien und einem Bass, der sich weigert, im Hintergrund zu bleiben. „Good Girl“ ist wie ein charmant rotziger Mittelfinger mit erstaunlich gutem Rhythmusgefühl.
Remote Bondage veröffentlichen „Good Girl“ am 10. April 2026 via Munich Warehouse. (Beitragsbild-Credit: Capadol)





