REM: Unplugged 1991 & 2001 – The Complete Sessions

REM: Unplugged 1991 & 2001 – The Complete Sessions

Ein glanzvolles R.E.M.-Vermächtnis

von Gérard Otremba

Die MTV-Unplugged-Konzerte waren in den 90er Jahren eine für Künstler und Publikum gleichermaßen beliebte Abwechslung in der Musikroutine. Ein kleiner, intimer Kreis von Fans, die Musiker zum Greifen nahe, die Musik ohne Schnickschnack auf das Wesentliche reduziert. Eric Clapton verbuchte mit seinem MTV-Unplugged-Auftritt die besten Verkaufszahlen, Künstler wie Bob Dylan oder Nirvana trieb die Atmosphäre zu wahren künstlerischen Höhenflügen an. Nur Bruce Springsteen scherte sich natürlich nicht um irgendwelche Konzepte und gab ein donnerndes Plugged-Konzert. Ebenfalls im MTV-Studio zu Gast war die Band R.E.M., zunächst 1991 und eine Dekade später im Jahr 2001 erneut. Zum Record Store Day im April gab es die Konzerte bereits auf Vinyl zu erstehen, nun liegen sie auch als Doppel-CD vor.

Mit „Losing My Religion“ auf dem Weg zu Weltruhm

Mit ihrem Smash-Hit „Losing My Religion“ eroberten Michael Stipe, Peter Buck, Mike Mills und Bill Berry 1991 die Welt, keiner konnte sich damals diesem Ohrwurm entziehen, er lief auf allen Radiostationen rauf und runter. Songs des dazugehörigen Album Out Of Time stehen dementsprechend, neben dem Vorgängerwerk Green, im Fokus des MTV-Unplugged-Auftritts von R.E.M. aus dem damaligen Jahr. Neben Stipes Stimme stehen akustische Gitarren, Mandoline, Orgelklänge und Percussion im Mittelpunkt des R.E.M.-Gigs. Die konzeptuelle Reduzierung tut den hymnenhaften Stücken wie eben „Losing My Religion“, „Pop Song 89“ oder „Radio Song“ wohltuend gut. „Low“ gerät noch mysteriöser als auf Platte und „Fall On Me“ sowie „Belong“ zu absoluten Highlights der Unplugged-CD. In der MTV-Sendung damals nicht zu sehen, gibt es nun die Songs „Fretless“, Swan Swan H“, „Rotary Eleven“, „Get Up“ und eine wunderbare Version von „World Leader Pretend“ zu hören.

R.E.M. als Superstars zurück im MTV-Studio

2001, mit ihrem damaligen Album Reveal im Rücken, kehrten R.E.M. als Superstars in die MTV-Arena zurück. Klingen die Songs der ersten CD wie Bälle spielender junger Welpen, zieht sich durch die Musik von CD zwei eine Elegie der Schönheit, der eleganten, traurigen Romantik. Viele der schönsten R.E.M.-Songs ist eine Grundmelancholie eigen, doch was die Band, nach dem Abgang von Bill Berry, als Trio auftretend und 2001 von Scott McCaughey, Ken Stringfellow und Joey Waronker live unterstützt, aus „Losing My Religion“, „Imitation Of Life“ oder „The One I Love“ herausholt ist an emotionaler Hingabe nicht zu überbieten. Stipe singt wie ein verlorener, gar verstoßener Engel, die zumeist vom Piano beherrschten Songs überzeugen durch ihre fragile, berührende und jeder Hymnenhaftigkeit beraubte Anmut. Und Stipes Einsamkeit in „I’ll Take The Rain“ zieht einem schlicht den Boden unter den Füßen weg. In dieser wehmütigen Stimmung erklingen auch „All The Way To Reno (You’re Gonna Be A Star)“, „Electrolite“, „Daysleeper“ oder „Country Feedback“. Die Doppel-CD Unplugged 1991 & 2001 – The Complete Sessions von R.E.M., CD zwei enthält sechs, 2001 nicht gesendete Songs, ist ein prächtiges Vermächtnis einer großartigen Band, deren Auflösung wir noch immer bedauern.

 „Unplugged 1991 & 2001 – The Complete Sessions“ von R.E.M. ist am 23.05. 2014 bei Rhino / Warner Music erschienen.

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