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18. Juni 2026Jazz mit großem Orchester – ein durchaus riskantes Projekt. Gelingt dem Luxemburger Trio Reis Demuth Wiltgen der Brückenschlag?
von Werner Herpell
Die Verschmelzung von Jazz mit orchestralen Klängen, bis hin zum Symphonic Jazz, gibt es schon seit rund 100 Jahren – mit Komponisten wie George Gershwin, Duke Ellington oder Count Basie als wichtigsten Pionieren. Insofern ist das, was auf „Freedom Trail“ zu hören ist, eigentlich keine echte Sensation mehr. Und dennoch überaus bemerkenswert. Denn dies ist keine Großproduktion des US-amerikanischen Orchester-Jazz, wie sie in Reinkultur etwa der Trompeter Terence Blanchard mit seinem zutiefst berührenden Requiem „A Tale Of God’s Will“ (2007) abgeliefert hatte – sondern ein Album aus dem kleinen Luxemburg. Aber was für eines.
Tolles Zusammenspiel von Trio und Orchester
Nun gibt es also endlich auch eine Plattenveröffentlichung, die das fabelhafte Zusammenspiel des luxemburgischen Jazz-Trios von Pianist Michel Reis, Bassist Marc Demuth und Schlagzeuger Paul Wiltgen mit dem renommierten Orchester Luxembourg Philharmonic in acht wunderschönen Kompositionen abbildet. Bereits vor acht Jahren hatte es diese Kombi auf der Bühne gegeben, schon damals unter der Leitung des weltberühmten US-Komponisten, Arrangeurs und Dirigenten Vince Mendoza und mit dem gefeierten kalifornischen Saxophonisten Joshua Redman als Gast. Im Juli 2022 trafen sich Reis Demuth Wiltgen (so der Bandname in Kurzform) erneut mit den beiden Amerikanern und dem Orchester, um in der Luxemburger Philharmonie „Freedom Trail“ als Album einzuspielen, als groß angelegte Neuinterpretation des ursprünglichen Trio-Repertoires für Sinfonieorchester.
Die ohnehin sehr lyrische, klangfarbenreiche, rhythmisch raffinierte Musik der drei Jazz-Virtuosen aus dem Großherzogtum wird in diesen Variationen durch neu komponierte Arrangements des Pianisten Reis und des siebenfachen Grammy-Gewinners Mendoza zu einem opulenten, epischen Klangerlebnis erweitert. Wie so oft bei sinfonischem Jazz (und gewiss nicht ohne Kuddelmuddel-Risiko), wachsen die ursprünglich intimen Trio-Stücke durch die Streicher und Bläser zu einem mächtigen Cinemascope-Format an, erzeugen überdimensionale, ja überwältigende Bilder im Kopf des Hörers. „Ein Werk, das fließend zwischen Intimität und filmischer Größe wechselt“, schreibt das italienische Label Cam Jazz über die Platte.
Reis Demuth Wiltgen mit Symphonic Jazz vom Feinsten
Sax-Superstar Redman ist auf drei Tracks von „Freedom Trail“ zu hören – dem Titelstück, „Cross Country“ und „Catherine’s Song“. Der US-Amerikaner begegnete Reis Demuth Wiltgen erstmals 2014 beim „Festival Charlie Free“ in Frankreich, „wo er sich sofort mit ihrer Musik verbunden fühlte“, wie das Label betont. „Im Laufe der Jahre hat er mehrere ihrer Kompositionen mit seinen eigenen Bands aufgeführt, und die Musiker haben mehrfach gemeinsam auf der Bühne gespielt, unter anderem bei einer Europatournee als Quartett im Jahr 2018.“ Die Philharmonie-Aufnahmen mit Redman vor vier Jahren gerieten zweifellos zu Höhepunkten dieses Albums. Aber auch die fünf anderen Stücke des 1998 gegründeten Luxemburger Trios mit dem Orchester sind großartig. Fazit: „Freedom Trail“ ist Symphonic Jazz vom Feinsten.
Das Album „Freedom Trail“ vom Jazz-Trio Reis Demuth Wiltgen mit der Luxembourg Philharmonic/Vince Mendoza erscheint am 19.06.2026 bei Cam Jazz/Harmonia Mundi. (Beitragsbild von Alfonso Salgueiro)





